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Nato

Storie von: arne, am 27.12.2008 ]

Mit einjähriger Verspätung ist die Debüt-Scheibe der Jungspunde von NATO kürzlich auch hierzulande veröffentlicht worden. Gerade noch rechtzeitig, um die Aufmerksamkeit auf eine potente Newcomer-Band zu richten, die sich Anfang Oktober bereits wieder aufgelöst hat. In der vierjährigen Spanne ihres Bestehens spielten die Jungs aus Cornwall mehr als 200 Shows und teilten die Bühnen mit Acts wie Bring Me The Horizon, Mendeed, Johnny Truant, Enter Shikari oder Architects.

 
Beständige Line-Up-Probleme und die fehlende Motivation, ernsthaft an einem zweiten Album zu arbeiten, führten nach dem Unfall eines der beiden Gründungsmitglieder zum unausweichlichen Ende von NATO. Die letzte Show der Rising-Kombo stieg am 20. Dezember im Princess Pavilion in Falmouth. Die beschlossene Auflösung des Quintetts ist umso tragischer, da den Jungs bei weiteren ansprechenden Longplayern im Stile des Debüts „Kill The Fox To Foil The Plan” durchaus eine erfolgreiche Zukunft bevor gestanden hätte. Anders als viele ihrer Kollegen zog es die unter Zwanzigjährigen nach ihrer Bandgründung sofort auf Tour, wo man sich schnell erste Sporen und handwerkliche Routine aneignete. Erst dann ging es für das Outfit ins Studio, um das gleichsam ungestüme wie eingängige erste Album einzuspielen:

„Die melodische Schlagseite der Musik interessierte uns ebenso sehr wie die Möglichkeiten, aus verträglichen Momenten heraus in extreme Bereiche vorzustoßen, ohne dass die Leute unsere Absichten zu schnell erkennen,” resümiert Schlagzeuger Ross Bourge, der zudem für das Singen auf der Scheibe verantwortlich ist: „Darüber hinaus ist uns auch ein guter Groove wichtig gewesen. Während andere Gruppen allein darauf schauen, schneller und komplexer zu werden, haben wir auch darauf Wert gelegt, dass unsere Songs grooven und am Ende alles zusammen passt. Vergisst man das, hat man kaum eine Chance, die Leute zu bewegen. Schwachstellen offenbaren sich live sehr schnell und die Leute sind unglaublich kritisch, wenn man als unbekannte Band auftritt und man sich die Sympathien erst noch erarbeiten muss. Wir haben eine harte Schule absolviert und wissen heute, worauf es ankommt.”

Zwischen komplexem und anspruchsvollen Extrem-Metal/DeathCore und verträglichem Emo/Screamo entwickeln NATO mit ihrem Debüt ein unterhaltsames und facettenreiches Album, das zweifellos seine Momente hat: „Zunächst haben wir allein technisch orientierte Stücke geschrieben, die nach einer weniger talentierten Version des Dillinger Escape Plans geklungen hat. Schnell ist uns aufgefallen, dass viele Parts besser und authentischer klingen, wenn man sie mit cleanem Gesang belegt, was wir in der Folge immer weiter ausgedehnt haben. Da ich schon in der Schule in verschiedenen Bands gesungen habe, war es an mir, diese Parts zu übernehmen.”

Egal, welcher Ausrichtung NATO gerade nachgehen, sie tun es jeweils mit offenkundiger Dedication und dem Streben, ein Maximum zu erreichen: „Wir lieben den Metal, schätzen aber gleichzeitig auch Eingängigkeit und Melodien. Mit den „Mechanismen” kommerzieller Musik habe ich mich ja nicht grundlos


einige Jahre lang beschäftigt, so dass diese Schlagseite des NATO-Sounds vor allem mir anzulasten ist. Es hat aber perfekt zu den Heavy-Parts gepasst, wobei unser Stilmix erst live seine wirkliche Klasse erreicht hat. Nach dem ersten Dutzend Club-Shows waren wir unglaublich heiß, weitere Gigs zu spielen und immer mehr Leute für uns zu gewinnen, die uns vor einem Abend noch nicht kannten. Wir hatten eine richtig gute Show mit fliegenden Gitarren und ungemein viel Energie. Die Leute haben über uns gesprochen und sind zu uns gekommen, weil sie von unseren Live-Qualitäten gehört hatten. Die Musik kam erst an zweiter Stelle. Es ist schon verrückt, wenn man rückblickend darüber nachdenkt.”

Impulsivität und bissige Härte sind die Pfunde, mit denen „Kill The Fox To Foil The Plan” auf musikalischer Seite wuchert. Natürlich bewegen sich NATO in eingeführten „Emo/Screamo meets DeathCore”-Strukturen, doch zumindest für die eine oder andere Überraschung sind sie gut: „Um unsere Kreativität frisch zu halten und um neue Ideen zu generieren, integrierten wir die gesamte Bandbreite unserer privaten Vorlieben. Natürlich stand der Metal im Vordergrund, doch ebenso wichtig war es uns, mit unseren Songs die Basis für eine intensive Live-Show zu schaffen. Nur hart und aggressiv aufzuspielen schien uns der falsche Weg zu sein. Wir haben uns also eine uns richtig scheinende Abzweigung gesucht. Wenn man selbst nicht genug von den eigenen Stücken bekommen kann und sie immer und immer wieder spielen will, hat man zweifellos etwas richtig gemacht. Wir haben allerdings auch stets aufgepasst, die Songs so anzulegen, dass man sie auch in einem angetrunkenen Zustand problemlos spielen kann. Wenn man gerade einmal zwanzig Jahre alt ist, geht es gar nicht anders.”

Das intuitive Moment der Jugend ist wohl auch dafür verantwortlich, dass NATO in den seichten Passagen so richtig „cheesy“ wirken, nur um im nächsten Moment alles temporeich und mit blankem Hass wieder einzureißen: „Einen richtigen Plan hatten wir nicht. Als wir mit der Arbeit an der Platte gestartet sind, waren wir noch sehr jung und unerfahren. Wir haben das geschrieben und eingespielt, was wir zu diesem Zeitpunkt konnten und was sich richtig angefühlt hat. Wir hätten niemals geglaubt, mit dem Album das Aufsehen zu erregen, das sich später einstellte. Es ging uns eigentlich nur darum, ein Release zu haben, damit wir auf Tour gehen konnten.”

Nach dem Ende von NATO bleibt abzuwarten, wo die Mitglieder zukünftig auftauchen werden. Ross Bourge arbeitet bereits gemeinsam mit Aaron Sidwell a. k. a. Steven Beale an einem neuen Projekt.

 
 Links:
  myspace.com/bandnato
 
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