Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1778

Until The End

Storie von: arne, am 15.01.2002 ]

"This is our fucking Underground. ... Nothing is fucking faked up there."
Dan Mazin

 
Süd-Florida heißt die Heimat von UNTIL THE END und dieser schöne Landstrich ist ja nicht erst seit gestern für seine überragenden Hardcore-/Metalcore-Bands bekannt. Allein die Bands, in denen die hier beteiligten Musiker mitgewirkt haben, nahmen nicht unwesentlich Einfluss auf viele der heutigen Bands. John Wylie's MORNING AGAIN- Vergangenheit ist hinlänglich bekannt, doch auch die anderen waren in großen Bands wie CULTURE oder auch RED ROSES FOR A BLUE LADY aktiv.

Mit Mark Mitchell ist inzwischen ein zweiter Gitarrist in die Reihen der Formation gestoßen und es war sicherlich eine kluge Entscheidung der Band, einen zweiten Gitarristen aufzunehmen. Dem Gesamtsound kommt das stark zugute und die Band ist in ihrer Gitarrenarbeit inzwischen deutlich flexibler. Mean Pete ist inzwischen alleiniger Shouter und der Gesang vielleicht nicht mehr derart abwechslungsreich wie noch auf der selbstbetitelten EP auf Equal Vision. Dennoch klingt er verdammt hasserfüllt und gut kehlig. Man darf sich auf Tough Guy-Geshoute mit (teils) gewalttätigen Texten einstellen. Zehn Songs umfasst das Debut 'Blood In The Ink' das kürzlich auf Eulogy Recordings erschien. Mosh, Tempo und Breakdowns überzeugen einfach auf ganzer Linie und tendenziell sind die neuen Songs ein wenig schneller ausgefallen. Hinzu kommt (natürlich) eine hammermäßige Produktion. Eine deutliche Tough-Guy-Schlagseite lässt sich nicht von der Hand weisen und gerade Freunde von HATEBREED sollten ruhig ein Ohr riskieren. Im März/April werden UNTIL THE END die, nach den Ereignissen vom 11.September verschobene, Europa-Tour zusammen mit COPYKILL bestreiten, was man sich wohl nicht entgehen lassen sollte.

Per Mail stellte ich Basser Dan Mazin einige Fragen, die er innerhalb weniger Stunden beantwortet zurückschickte. Ein solche Geschwindigkeit ist eher selten, ünterstreicht aber meinen guten Eindruck der Band. Das Besetzungskarussell hat sich, wie schon angesprochen, zwischen der erster EP und dem Vollzeit-Debut erheblich gedreht, was eine erste Frage nach der jetzigen Situation bedingte: "Es ist schon witzig, dass du fragst, denn gerade haben wir uns einen neuen Drummer gesucht. Er heißt Wes und spielte zuvor bei WALLS OF JERICHO. Unser alter Trommler hatte noch eine andere Band und diese nahm ihn immer stärker in Anspruch. Für uns war es daher die beste Lösung getrennte Wege zu gehen, bevor es zu ernsthaften Problemen gekommen wäre. Unser Line-Up ist nun auf jeden Fall stabil. Unsere jetzige Formation ist musikalisch gesehen die bisher beste und wir kommen auch sehr gut miteinander aus."
Auch der Wechsel von Equal Vision zu Eulogy bedurfte in meinen Augen Klärung, auch wenn mir schon vorher bekannt war, dass John Wylie (Gitarrist von UTE) hinter Eulogy steht: "Wir verließen Equal Vision wohl vor allem deshalb, weil es so für beide Label einfacher ist. Wir sind keine Band, die permanent auf Tour ist und gerade das will EVR. Mit der Veröffentlichung der EP haben sie uns einen großen Gefallen getan, doch es war an der Zeit weiter zu gehen. Da sowohl John als auch ich bei Eulogy arbeiten, können wir nun auch den kleinsten Aspekt in Bezug auf die Band kontrollieren und nichts geschieht mehr ohne unser Wissen."
Mich interessierte weiter, mit welcher Intention die Musiker UTE gründeten. Das sagt sehr viel über eine Band und ihr Eigenverständnis aus, denke ich: "Im Januar 2000 starteten wir die Band als Reaktion auf den ganzen Scheiß, der heutzutage als Hardcore durchgeht. Für uns war es einfach wieder an der Zeit eine schnörkellose Hardcore-Band auf die Beine zu stellen und die Leute an das zu erinnern, was ihnen Hardcore gegeben hat, als sie mit ihm erstmals in Berührung kamen. Man sollte zudem wissen, dass UNTIL THE END eine Straight Edge- Band ist und das wir darauf sehr stolz sind. Wir geben immer 100%; egal ob auf Platte oder live. Jede Note, jeder Schrei und jeder Break sind zu 100% wir." Es ist schon ein ziemliches Mosh-Monster, das die fünf Musiker da auf Platte gebannt haben. In einen Satz gepackt, beschreibt Dan 'Blood In The Ink' als: "Rastlose Veröffentlichung jeglicher negativer Energien, die ich jemals durchlebte, zu Musik verarbeitet, die mich veranlasst den ganzen Raum auseinander zu nehmen." Das trifft es wirklich, denn es steckt ungeheuer

viel Aggression und Energie in den Songs; ähnlich jenen superfetten HATEBREED, mit denen ich die Band schon zu Beginn verglichen habe: "Dem kann ich nicht widersprechen, denn auch ich sehe Gemeinsamkeiten zwischen HATEBREED und uns. Wir spielen einen ähnlichen Stil, auch wenn wir das nicht bewusst geplant haben. Wir kamen einfach irgendwann zusammen und spielten das, an dem wir den meisten Spaß hatten. Die Leute können zu uns sagen, was immer sie wollen. Nennt uns jemand Tough Guy, ist es eben so. Das ändert keinesfalls die Musik, die wir spielen oder die Menschen, die wir sind. Wir werden immer unseren Stil beibehalten. Unsere Musik ist Ausdruck unserer dunkelsten, tiefsten Aggressionen. Sie ist für uns das perfekte Medium einfach loszugehen und alles aus uns heraus zu schreien. Für uns sollte die Musik einfach so hart wie möglich sein und eben das kam dabei heraus." Eine solche Einstellung ist mehr als nur löblich, denn viele Bands wollen keinesfalls mit Tough-Guy-Hardcore in Verbindung gebracht werden: "Um solche Dinge sollte sich niemand kümmern, denke ich. Spielt einfach, was immer ihr wollt und kümmert euch nicht darum, was andere dazu sagen. Um solche Probleme sollten sich vielmehr Mainstream-Bands sorgen und nicht Hardcore-Kids. This is our fucking Underground. In irgendeiner Weise gelabelt zu sein, ist keinesfalls dafür entscheidend, ob einen die Kids mögen oder nicht. Solange unsere Musik andere glücklich macht, ist uns egal, als was uns die Leute bezeichnen."
Stichwort 'Glücklichmachen' - Wo sehen denn UNTILL THE END ihre Fans? "Hoffentlich sprechen wir jeden an, der in irgend einer Weise mit der Hardcore-Szene verbunden ist. Ältere Leute werden sehen, dass unsere Aggressionen echt sind. Nothing is fucking faked up there. Zu viele Bands kommen erst in Gang, wenn sie auf die Bühne kommen. Wir nicht, wir geben zu jeder Tages- und Nachtzeit stets 100%. Das sehen natürlich auch die Kids und hoffentlich schafft es eine Band wie die unsere, neue Leute in die Szene zu holen." Das wäre nur zu wünschen und ich kann mir durchaus vorstellen, das UTE in diesem Vorhaben erfolgreich sein können. Ein kleiner Stolperstein sind dabei vielleicht die Texte, die durchweg gewalttätig und depressiv scheinen: "Als ich die Lyrics der Platte schrieb, fühlte ich mich wie der letzte Mensch auf Erden. Es gab nichts, für das es sich gelohnt hätte weiter zu leben. Das Schreiben half mir, die Phase zu überstehen. Heute fühle ich mich von Show zu Show besser. Wenn ich abends die Kids mitschreien sehe, hilft mir das. Auch der Album-Titel reflektiert das. Ich gab all mein Blut und meine Energie für jeden einzelnen Song. Vor den Aufnahmen waren wir sehr angespannt. Wir mussten unseren eigenen Anforderungen gerecht werden, wussten aber, dass es schwer werden würde. Auf das Resultat sind wir heute unwahrscheinlich stolz." ...und das zurecht.
Musikalisch kann ich am Debut nichts aussetzen und mein hauptsächlicher Kritikpunkt betrifft die Gestaltung der Platte, die ich als nicht sehr gelungen empfinde. In meinen Augen wird sie der Musik nicht gerecht: Messer, Schlingen, Pistolen usw. sind zu sehen auch ein großer Schlagring: "Das Artwork soll bei seiner Betrachtung auch keine positiven Regungen wecken. Es soll vielmehr ein Gefühl der Unruhe hervorrufen. Alle Texte habe ich während eines sehr dunklen Lebensabschnittes geschrieben. Die Gestaltung soll gerade das unterstreichen. Es ist aber auch nicht mit der Absicht konzipiert, jemanden darzustellen, der einen anderen umbringt oder ähnliches. Alle Gefühle, durch die ich in dieser Zeit ging, sollen durch diese Gestaltung dargestellt werden. Ich denke, es ist wesentlich besser solche Gedanken auf Papier zu bringen als auf die Strasse zu gehen und jemanden mit einem Messer zu verletzen." Dem muss man uneingeschränkt zustimmen. Es gibt immer andere Wege, seine Aggressionen auszuleben und die Band versucht ihren Fans dabei zu helfen: "UNTIL THE END ist stolz darauf, etwas im Inneren seiner Hörer anzusprechen. Wir wollen gerade die Band sein, die sich die Leute anhören, wenn sie sich wie der letzte Dreck fühlen und ihre angestauten Aggressionen ausleben müssen." Gebt ihnen einfach eine Chance und schaut, ob die Band das für euch leisten kann.

"Keep it true and stay proud. XXX"
 
 Links:
  http://www.xuntiltheendx.com
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  August Burns Red
  Dance Gavin Dance
  Loviatar
  Make Them Suffer
  Sparta

Interviews/Stories:

  Neaera
  Suicide Silence
  Clint Lowery

Shows:

  08.04. Power Trip - Munich
  08.04. Lamb Of God - Munich
  08.04. Kreator - Munich
  09.04. Power Trip - Ludwigsburg
  09.04. Lamb Of God - Ludwigsburg