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Entrails

Storie von: arne, am 18.04.2020 ]

FUCK IT. Die Schweden gehen kein Risiko, wenn sie die Ausgestaltung ihres markanten Death Metal-Sounds auf „Rise Of The Reaper“ weiten. Auf den ersten Blick setzen ENTRAILS weiterhin auf brachial-schroffe, griffige Brecher. Nur, wer genau hinhört, entdeckt auch die generelle Schwere, mit der das Quartett sein Spiel aufwertet.

 
„Auch wenn wir offensichtlich eine klassische Death Metal-Band sind, finde ich, dass man in unserer Musik eine Menge Heavy Metal hören kann“, bestätigt auch Bassist und Frontmann Pontus Samuelsson. „Unser Sound ist offensichtlich vom schwedischen Death der späten 1980er/frühen 90er Jahre inspiriert, doch die Musik ist eindeutig auch von Bands wie JUDAS PRIEST, HELLOWEEN und CADLEMASS beeinflusst. Angesichts der Verzerrungen, D-Beats und Brechern mag es für Zuhörer nicht so offensichtlich sein, aber zumindest wir bemerken es deutlich. Einige der Riffs könnten auch auf einem klassischen Heavy Metal-Album verwendet werden. Obwohl unsere Einflüsse nicht das sind, was man erwartet, wollen wir dennoch als Death Metal-Band gesehen werden. Das trifft sowieso das, wie die Leute uns beschreiben.“

Der 2013 zur Band gestoßene Musiker weiß, wovon er spricht, denn er kann die externe und interne Perspektive einnehmen: „Bevor ich zu ENTRAILS kam, war ich ein großer Fan der Gruppe“, so Pontus. „Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass ENTRAILS eine meiner Lieblings-Bands gewesen sind. Als ich mit ihnen das erste Mal im Studio war, war es für mich sehr emotional, weil ich der Überzeugung war, dass nichts jemals so gut wie die ersten beiden Alben werden könnte. Jetzt, da ich seit Jahren Teil der Entstehung der Musik sein darf, ist es natürlich eine andere Sache. Für mich hat sich die Wahrnehmung drastisch verändert. Heute habe ich eine klare Vorstellung davon, wer wir als Band sind. Ich kann sehen, was wir richtig gemacht haben und was schief gelaufen ist. Anstatt etwas beweisen zu wollen, kann ich mich entspannen und mich auf meiner Reise wohlfühlen.“ Die Schweden sind die Arbeit an „Rise Of The Reaper“ locker und ergebnisoffen angegangen:

„Diesmal war es uns wirklich egal, was auf der neuen Platte passieren würde oder eben nicht“, formuliert es der Bassist und Frontmann. „Wir lassen unsere verschiedenen Einflüsse deutlicher zum Vorschein kommen. Wir haben Heavy Metal, Grindcore, Doom und natürlich Death Metal in einen Topf geworfen, umgerührt und alles auf eine natürliche Weise zu dem werden lassen, was es ist. Es ist unser bisher experimentellstes Album, während es immer noch ein klassisches ENTRAILS-Werk ist. Das vorherige Album war sehr Death Metal-fokussiert, was in Ordnung ist. Dieses Mal wollten wir aber mehr. Die Evolution basiert darauf, dass wir „Fuck it“ sagen und tun, was immer wir tun wollen.“ Die vierköpfige Gruppe, deren Wurzeln bis ins Jahr 1990 zurück reichen, ist mit sich im Reinen: „Wir versuchen, nicht zu viel über die Erwartungen der Leute nachzudenken“, erklärt Pontus Samuelsson. „Den Gedanken, dass tausende Leute unsere Songs hören werden, haben wir im Hinterkopf. Doch zuerst und vor allem machen wir die Musik für uns. Während des Songwriting-Prozesses ist es wichtig, dass die Musik uns gefällt. Ist das nicht der Fall, können


wir nicht erwarten, dass es jemand anderes tut. Bis das Album gemastert und zur Veröffentlichung bereit ist, konzentrieren wir uns allein darauf, etwas zu erschaffen, was wir selbst gerne hören.“

Dabei geht es nicht darum, innovativ zu sein oder sich neu zu erfinden: „Wirklich originell zu sein, ist heutzutage sehr schwierig“, weiß der Schwede. „Niemand will ein weiteres obskures Genre-Mash-up wie Polka-Black Metal oder brutalen Jazzcore hören, so neuartig das auch sein könnte. Echte Originalität liegt für mich eher im Detail. Die kleinen Dinge, die man nicht wirklich greifen kann und sich mit der Zeit entwickeln. Auch wenn unsere Musik nicht sehr originell ist, glaube ich doch, dass etwas in ihr ist, das nach uns klingt. Ich kann nicht sagen, was das ist, aber ich hoffe, es reicht aus, uns von all den anderen „SWE-Death-Bands“ abzusetzen.“ Bezogen auf die eigenen Qualitäten legt der Musiker einen realistischen Blick an den Tag:

„Wahrscheinlich gibt es da draußen 13-Jährige, die handwerklich besser spielen können als wir“, so Pontus. „Es ist gesichert, dass wir keine Band voller YNGWIE MALMSTEENs sind. Das ist für mich aber gerade der Grund, warum ENTRAILS in der Lage sind, so konstant zu arbeiten. Wir bleiben auf unserer Spur und tun das, was wir kennen, nach besten Kräften. Natürlich fallen einige Songs technischer als andere aus, aber wir versuchen, es grundsätzlich einfach zu halten. Wir sind davon überzeugt, dass einfachere Songs mehr Wirkung entfachen als superschnelle Blastbeats und Shredden.“ Auf der Basis ihres Old School-Ansatzes arbeiten sich ENTRAILS auf ihrem sechsten Longplayer durch lebendige Heavy-Nummern: „Wir haben schlicht eine Handvoll Songs geschrieben, die uns gefallen und die wir auf die gleiche Tracklist gesetzt haben“, fasst es der Bassist und Sänger kurz. „Das, was alles zusammenhält, ist der Sound. Zum Glück gibt es den klassischen Death Metal. Dies ist für uns sogar ein launiges Album. Obwohl es dunkel und schwer ausfällt, gleicht diese Platte einer lockeren Fahrt. Jeder Song hat etwas Neues zu bieten. Insgesamt stellt sich ein wunderbares Durcheinander ein. Deshalb sollen die Leute es nicht zu ernst nehmen und Spaß damit haben.“

Konkreter meint Pontus Samuelsson: „Wir sind etwas experimenteller unterwegs und auch, wenn das eine kontroverse Aussage sein mag, „Rise Of The Reaper“ ist unser bestes Album seit „The Tomb Awaits“. Die Leute mögen mir da vielleicht nicht zustimmen, doch ich bin davon überzeugt. Wir versuchen, es wie einen schlechten Horror-Film aus den 1980er Jahren klingen zu lassen. Der lyrische Inhalt, die dissonanten Melodien und das allgemeine Gefühl sollten dich unwohl und verwirrt fühlen lassen. Als ob du nicht weißt, ob du würgen, lachen oder headbangen sollst. Trotz seiner Widrigkeiten und Wendungen fühlt sich das Album wie das authentischste ENTRAILS-Album seit acht Jahren an.“

 
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