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Origin

Storie von: arne, am 23.06.2019 ]

Paul Ryan arbeitet seine ersten Schritte im extremen Metal auf und betreibt Vergangenheitsbewältigung – roh und unverfälscht. Unter dem Titel „Abiogenesis – A Coming Into Existence“ erscheinen Demos aus einer Zeit, in der die Gründung von ORIGIN noch lange nicht absehbar gewesen ist, in Kombination mit der Debüt-MCD von 1998.

 
Der Band-Kopf hat alle Songs komplett im Alleingang neu eingespielt, das Material aber weitgehend unbehandelt belassen: „Da sind zwei Dinge zusammen gekommen“, klärt Paul über die Hintergründe der Veröffentlichung auf. „„A Coming Into Existence“ ist schon lange Zeit vergriffen. Die Leute verkaufen Originalkopien online für 120 US-Dollar und mehr. Deshalb wollte ich, dass die Songs wieder veröffentlicht werden und erhältlich sind, damit die Leute sie problemlos herunterladen oder streamen können. Und Agonia Records, mit denen ORIGIN seit 2014 zusammen arbeiten, war sehr interessiert daran, die Songs heraus zu bringen. Sie fragten, ob ich noch etwas mehr zu bieten hätte. Also habe ich erwähnt, dass ich Material der pre-ORIGIN-Zeit aufgenommen und verfügbar hätte, um es kompletter zu machen. Ausgehend davon haben wir dann gemeinsam die Idee entwickelt, die in „Abiogenesis – A Coming Into Existence“ gemündet ist.“

Konkret erscheinen nun die beiden Demos „Necrotomy“ (1990-1991) und „Thee Abomination“ (1992-1993) im Verbund mit der Einstands-MCD „A Coming Into Existence“: „Die wesentliche Erkenntnis ist, dass ich meine Songwriting- und Kompositionsfähigkeiten erheblich verbessert habe“, äußert der Künstler mit Blick auf seine Eindrücke aus der Wiederbeschäftigung mit seinem Frühwerk. „Diese Songs waren für die damalige Zeit repräsentativ, doch heute bin ich ein anderer, besserer Musiker und Komponist. Damals ging alles noch roh und direkt zu.“ Ein Risiko, ORIGIN-Fans, die das 2017er Album „Unparalleled Universe“ im Ohr haben, mit den neu aufgenommenen Stücken zu verprellen, sieht Ryan nicht: „Es ist das Eröffnungskapitel meiner Karriere in der extremen Musik“, erwidert er. „Es gibt viele Leute, die diese Art von Musik gerade erst entdecken. Als ich aufgewachsen bin, war alles chronologisch geordnet. Ich bin die Entwicklung der Bands, die ich gehört habe, interessiert mitgegangen, was sich über Jahre gestreckt hat. Doch heute hat man zu allem auf einmal Zugang. Ich bin sicher, dass Leute, die ähnlich gelagerte Bands mögen, bestimmte Phasen und Alben besonders schätzen. Und hier können meine frühen Sachen vielleicht auch etwas bewegen. Unsere Fans können zudem nachvollziehen, wo unser Weg seinen Start genommen hat.“

Dass es deutliche Unterschiede zu den ORIGIN der Moderne gibt, mag aber auch der Kreativkopf nicht bestreiten: „Wenn ich heute Musik komponiere, besitzt sie zweifellos mehr Dynamik und Anspruch. Die Songs sind deutlich länger; entwickeln sich behutsamer und verschlungener. Bei den frühen Songs war die größte Herausforderung noch das Spielen selbst.“ Für sich hat


der Frontmann und Gitarrist vor allem abgeleitet: „Mir ist aufgefallen, dass ich definitiv nicht mehr so wütend bin wie damals. Seit diese Songs geschrieben worden sind, habe ich eine Menge erlebt und bin als Mensch gereift. Persönlich kann mich noch an die Wut erinnern, die ich im Inneren verspürt habe, als ich die Tracks geschrieben habe. Das ist aber lange her.“ Mit Blick auf die Spanne seit den frühen 1990er Jahren sind für den ORIGIN-Gründer folgende Aspekte wichtig:

„Die Tiefpunkte sehe ich im Verlust von Bandmitgliedern, die im Verlauf der Jahre unvermeidlich waren. Das geht immer damit einher, dass man versucht, die richtige Person zu finden, um die entstandene Lücke zu füllen. Wir haben in der Vergangenheit auch immer wieder Probleme mit Booking-Agenturen und Labels gehabt, doch das liegt hinter uns. Mir war schon in den frühen 1990er Jahren bewusst, dass, wenn ich noch am Leben wäre, ich immer noch Gitarre spielen und diese Art von Musik in der einen oder anderen Form machen würde. Ich hätte mir aber nicht vorgestellt, dass ich diese Songs nachmals aufnehmen würde. Die Tatsache, dass ich immer noch in der Lage bin, Musik zu spielen und mit ORIGIN zu touren, ist für mich der größte Erfolg.“ In Anbetracht der folgenden Aussage ist das in der Tat bemerkenswert: „Für mich ist ORIGIN die Hölle, die ich in meinem Kopf höre. Ich suche es mir nicht wirklich aus, es ist einfach da. Ich bin vor allem stolz darauf, dass ich heute ein besserer Songwriter bin, der mehr Dynamik zu erschaffen versteht. „Unparralled Universe“, um darauf zurück zu kommen, markiert den Stand, an dem ORIGIN 2017 waren. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Ich hoffe vor allem, dass es für die Leute möglich ist, meine persönliche Suche zu verstehen, verschiedene Alben gleich und doch einzigartig und unterschiedlich aufzusetzen.“

Insofern reiht sich die Wiederveröffentlichung „Abiogenesis – A Coming Into Existence“ nahtlos in die Veröffentlichungshistorie der Death Metal-Kombo ein: „Hörer bekommen 30 Minuten Musik von ORIGIN. Wenn es ihnen gefällt, gefällt es ihnen, wenn nicht, dann nicht. Wir alle haben Zugriff auf die Schaltfläche „Weiter“ – ob nun auf unseren Handys oder am CD-Player.“ Extreme Musik steht für Paul Ryan übrigens unter dem Eindruck von Innovation und Entwicklungssprüngen – wie das übrige Umfeld: „Die Welt hat sich in den letzten 30 Jahren so sehr verändert. Technologische Dinge, die ich mir 1990 nicht einmal vorstellen konnte, sind bis heute Realität. Dasselbe würde ich über die extreme Musik sagen. Sie hat sich zu etwas entwickelt, das damals völlig unvorstellbar war.“

 
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