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Venom Prison

Storie von: arne, am 09.04.2019 ]

Die Band-Karriere von VENOM PRISON ist für die Musiker eher unverhofft in Gang gekommen – dafür aber gleich richtig. Mit „Samsara“ erscheint da Zweitwerk der Waliser, die ihren Death-Sound noch gefährlicher und zwingender anlegen. Grindcore-Raserei und Hardcore-Akzente sorgen musikalisch für Abwechslung, während textlich ein endloser Kreislauf des Leidens thematisiert wird.

 
„Wir haben uns nie irgendwelche Ziele gesetzt, wo wir uns als Band gerne sehen wollen“, stellt Frontfrau Larissa Stupar (ex-Wolf Down) eingangs klar. „Wir wollen einfach so viel Arbeit investieren, wie wir können, und schauen, wohin es uns bringt. Die letzten zwei Jahre waren sehr hektisch. Seit der Veröffentlichung von „Animus“ waren wir viel unterwegs und haben einige sehr lange Touren gespielt. Wir hätten nie gedacht, dass wir uns nach unserem ersten Album als Opener auf einer siebenwöchigen Trivium-Tour oder auf einer fünfwöchigen Festival-Tour in Amerika mit Bands wie Aborted und Psycroptic wiederfinden würden. Doch nichts im Leben fällt einem einfach in den Schoß. Wir arbeiten hart und gehen mit genau den gleichen Erwartungen an „Samsara“ heran.“ Ausgehend von einem Hobby ist die Gruppe für die Beteiligten innerhalb kürzester Zeit eine Vollzeitbeschäftigung geworden: „Da Ash und ich damals beide aus unseren Bands ausgestiegen sind, haben wir es schnell vermisst, unterwegs zu sein und Shows zu spielen“, so die Frontfrau. „Es hat einfach was gefehlt, nachdem man sich intensiv in ein Leben mit einer Band hineingestürzt hatte. Daher haben wir VENOM PRISON als ein kleines Projekt gestartet, um ab und an Shows zu spielen. Da wir beide genug vom Hardcore hatten und schon ewig eine Metal-Band starten wollten, haben wir uns gedacht „scheiß drauf“. Kurze Zeit später hatten wir Ben und Mike dazu geholt und mit unserem damaligen Drummer erste Shows gespielt. Aus Spaß wurde dann schnell Ernst, und jetzt sind wir sechs von zwölf Monaten im Jahr auf Tour und demnächst wird es noch mehr werden.“

Den Wechsel vom Hardcore zum Metal hat das Quintett mit Bravur gemeistert, auch wenn es anfangs kleine Anlaufschwierigkeiten gab: „Es war schon ein Umstellungsprozess, Songs für VENOM PRISON zu schreiben; einfach ungewohnt. Zudem mussten wir erst einmal herausfinden, wie wir als Band klingen wollen und uns musikalisch definieren. Das ist mit „Animus“ passiert. Von da an haben wir uns mehr getraut, sind selbstbewusster geworden und haben das Gefühl, das wir das, was wir vorhaben, auch umsetzen können. Inzwischen wissen wir, was der eine oder die andere leisten kann. Wir sind jetzt eine Einheit und ich denke, das erkennt man auch in den Songs. Sie sind chaotisch und harmonisch zugleich – das ist VENOM PRISON für mich.“ Dem Quintett geht es darum, einen Wiedererkennungswert zu etablieren: „Definitiv, wer will schon wie alle anderen klingen? Wir wollen herausstechen und den traditionellen britischen Death Metal-Sound dadurch neu definieren; dass wir melodische


Black Metal-Elemente und Hardcore-Groove hinzufügen.“ Auch wenn VENOM PRISON viel touren, erfolgt das Songwriting zu Hause: „Wir haben festgestellt, dass es nicht einfach ist, unterwegs kreativ zu sein“, erzählt Larissa. „„Samsara“ haben wir größtenteils zwischen den Touren geschrieben. Glücklicherweise können wir alle gut unter Stress arbeiten und sehr produktiv und kreativ sein. Für „Animus“ hatten wir alle Zeit der Welt. Diesmal mussten wir kritischer mit uns sein und uns ständig in den Arsch treten, keine Zeit zu verschwenden. Beides hat seine Vor- und Nachteile, jedoch gefällt mir, dass man den Druck in den neuen Songs spüren kann. Die Art und Weise, wie wir sie geschrieben und aufgenommen haben, würde ich unter keinen Umständen ändern. Als die Songs musikalisch so gut wie fertig waren, haben Ash und Ben, unsere Gitarristen, auf Tour Feintuning gemacht und sie sich wie bescheuert immer und immer wieder hereingezogen.“

Aufgrund ihrer Erfahrungen weiß Larissa, was es heißt, in verschiedenen Szenen unterwegs zu sein: „Tour ist Tour, an und für sich gibt es zwischen den Genres keine Unterschiede. Das vegane Catering auf einer Metal-Tour ist im Vergleich zum Hardcore manchmal aber ziemlich scheiße. Und ein Metal-Publikum ist viel kritischer als Leute auf Hardcore-Shows; zumindest hartnäckiger. Metalheads sind oft nicht bereit, sich für Neues zu öffnen und man muss mehr Arbeit investieren. Die größte Umstellung für mich war es, dass es einfach so gut wie kein Moshen gibt. Am Anfang hat es mich ziemlich verunsichert, dass ich nicht erkennen konnte, ob die Leute Spaß haben oder nicht. Das kann man jedoch an den Gesichtsausdrucken erkennen. Spin-Kicks sind das, was mir am meisten fehlt. Ich mag jedoch, dass Metal-Shows meist friedlich ablaufen und das Publikum viel Wert auf Kommunikation legt.“

Textlich sucht Larissa den Austausch mit ihren Hörern und greift ein Tabu-Thema auf: „Das Stigma um psychische Gesundheit ist sehr groß und der Diskurs in Deutschland noch lange nicht so fortgeschritten wie im UK oder den USA. Die meisten Menschen kämpfen zumindest einmal in ihrem Leben mit Depressionen. Das ist nichts, wofür man sich schämen muss. Es ist keine Schwäche, sich selbst einzugestehen, dass man unter Depressionen oder anderen psychischen Belastungen leidet und auf Hilfe angewiesen ist. Es ist wichtig, seine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Die meisten Songs sind aus einem persönlichen Blickwinkel geschrieben, in dem ich versucht habe, eine schwer depressive Phase und den ständigen Gedanken, sterben zu wollen, zu verarbeiten.“

 
 Links:
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