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I Am Revenge

Storie von: arne, am 10.12.2018 ]

Die Hanseaten sind wütend und lassen ihrer Frustration auf ihrem vierten Album freien Lauf. Der Titel „Violencer“ mutet gewalttätig und schonungslos an. Exakt so entwickeln sich die heftigen Klänge zwischen Metal- und Beatdown-Hardcore. Auch textlich nehmen I AM REVENGE kein Blatt vor den Mund.

 
Auf dem Nachfolger von „RVNG“ zeigt das norddeutsche Quintett klare Kante und tritt mit Texten in Erscheinung, die teilweise politisch motiviert sind: „Dass wir in diesem Genre nicht über ein grüne Blumenwiese schreiben oder alles nur Friede-Freude- Eierkuchen ist – das sollte jedem klar sein, der diese Art von Musik hört,“ führt Shouter Orkan aus. „Es gibt keine Vorgaben, in welche Richtung meine Lyrics gehen sollen. Ich denke mir aber nicht nur irgendwas aus. Natürlich gehören die üblichen Klischees im Hardcore dazu. Das macht uns Spaß und ich denke, dass die Hörerschaft das zu einem gewissen Grad auch erwartet. Da würde ich nie einen Hehl draus machen. Für „Violencer“ wollte ich mich aber unbedingt auch auf die aktuelle Lage der Welt beziehen. Jeder sieht doch, was aktuell alles so passiert. Das regt mich bzw. uns massiv auf. Wir reden untereinander viel darüber. Warum sollte man dies also nicht auch mit allen teilen? Wir sind sonst keine Band, die eine direkte politische Message ausspricht. Dieses Mal haben wir uns mal eingemischt und zeigen auf das, was um uns herum absolut falsch läuft. Die Welt war schon immer scheiße und schlimme Dinge sind immer schon passiert. Nur jetzt bekommst du es einfach viel schneller und häufiger mit. Das war für mich das „Kriterium“ für die Song-Texte; darüber wollten wir schreiben. Zudem wurde mir mal die Frage gestellt, was ich mit Gewalttätern machen würde und wie ich mit der Gewaltdarstellung in den Medien zurechtkomme. Auch darüber habe ich auf dem Album geschrieben.“

Bassist Jonas greift das Gesagte auf und ergänzt: „Auf „Violencer“ haben wir uns das erste Mal an etwas herangetraut, wovon wir auf vorherigen Platten bewusst Abstand genommen haben. Das Album setzt sich mit aktuellen Weltgeschehnissen auseinander. Anhand des Song-Titels mag man es nicht erahnen, aber hinter dem Song ,No Alternative‘ versteckt sich eine ablehnende Message bezüglich der AfD bzw. rechtem Gedankengut im Allgemeinen. Wir haben uns bei den Songs und auch bei den Song-Texten viel von solchen Themen inspirieren lassen und legen unsere Meinung zu diesen Themen offen. Aufgrund jüngster Ereignisse und dem immer stärker werdenden Rechtsruck in Europa haben wir uns einfach dazu verpflichtet gefühlt, diese Themen aufzugreifen. Das hört man auch an der sehr aggressiven und düsteren Grundstimmung der Songs, aber so kennt man es von uns. Dass viele Titel dadurch martialisch klingen, hängt mit der abgefuckten Gesellschaft zusammen, in der wir existieren. Wir hoffen natürlich, dass unsere Message auch bei den Hörern ankommt und den einen oder anderen dazu bewegt,


sich mit den Themen auseinander zu setzen.“

Jenseits des thematischen Gehalts gibt es weitere Gründe, weshalb das vierte Album von I AM REVENGE anders als seine Vorgänger klingt: „„Violencer“ ist das erste Album, bei dem wir weniger in Eigenregie gemacht haben und Lasse Lammert als Produzenten und Mix/Master-Engineer dazu geholt haben,“ erzählt Gitarrist Gabriel. „Dadurch konnte ich mich so gut wie ausschließlich aufs Komponieren konzentrieren. Da wir mittlerweile alle Vollzeit berufstätig sind, war es gar nicht so leicht, überhaupt Zeit zu finden, das Album zu komponieren. Der Anfang war wirklich zäh, weil wir eigentlich im Bauch genau wussten, was wir machen wollten, es aber nicht aufs Papier oder die Lippen bekommen haben. Ich habe dann einfach losgelegt und wir wussten ziemlich schnell, was uns gefällt und was nicht. Die eigentlichen Songs sind dann in ein paar Monaten geschrieben gewesen. Die Findungsphase davor hat aber fast ein Jahr gedauert. „Violencer“ sollte ein absolutes Live-Album sein – einfach zu viert zu spielen sein und direkt nach vorne gehen. Der Hauptunterschied zu „RVNG“ ist, dass „Violencer“ keine Lead-Gitarren besitzt und demzufolge auch weniger metallisch klingt. Es ist das erste Album, bei dem ich absolut keinen Wert auf jegliche Arrangements oder Song-Strukturen gelegt habe. Ich war ganz schön unter Zeitdruck, die Songs fertig zu komponieren. Deshalb habe ich mir verboten, die Songs zu „overthinken“. Sie sollten einfach ballern und beim Hören nach vorne pushen. Im Nachhinein bin ich darüber total happy, weil die Songs im Gegensatz zu den letzten Alben wesentlich organischer wirken. Das ist vielleicht sogar der größte Unterschied. Das Songwriting für „Violencer“ war viel konkreter und zeitlich kürzer. Deshalb zieht sich der Vibe durch alle Songs.“

Die Hanseaten haben ihre Lektion gelernt und ihr Songwriting auch ausgehend von Tour-Erfahrungen umgestellt: „„Violencer“ sollte unser bisher kompromisslosestes Album werden; ohne Spielereien, ohne Experimente und einfach auf das konzentriert, was wir können und feiern,“ fasst es Bassist Jonas in eigene Worte. „Eben harte Musik, die straight nach vorne geht. Auf „RVNG“ haben wir uns zum Teil noch ausprobiert, mussten dann aber live feststellen, dass viele Dinge nicht so gezündet haben, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Nach dem BDHW-Einstand legen I AM REVENGE nun vehement nach: „Für mich ist „Violencer“ bisher die Platte, mit der wir am besten das getroffen haben, was wir immer machen wollten,“ so Jonas. „Insofern sehe ich auch für die kommenden Scheiben noch großes Entwicklungspotential.“

 
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