Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1690

Terror

Storie von: arne, am 03.10.2018 ]

Die Zeiten sind hart und bedingen einen ebensolchen Sound. TERROR setzen auf ihrem achten Longplayer einmal mehr auf einen direkten, vorwärts gerichteten Hardcore mit Metal-Kante. Der Titel „Total Retaliation“ ist dabei unmissverständlich und stimmt auf das bissige, rigorose Album ein.

 
„Gerade befinde ich mich auf einem Flug von Los Angeles nach Paris, um in Kürze die Europa-Tour mit TERROR zu starten,“ erzählt Frontmann Scott Vogel zum Auftakt. „Ich hätte nie gedacht, dass wir nach so langer Zeit noch eine Band sein würden. Da du nach den Tiefs gefragt hast: natürlich gab es Zeiten, in denen man sich gewünscht hätte, nicht so emotional in dieser Sache drin zu stecken. Oftmals haben wir zu wenig Zeit für uns selbst. Manchmal will ich schlicht zu Hause sein. Bisweilen haben wir auch zu viel getrunken, unschöne Gewalt auf Shows gesehen, die wir manchmal mit geschürt haben, und so weiter. Doch die Wahrheit ist, dass ich glaube, dass TERROR eine ganz besondere Band sind, die immer noch eine Menge Substanz zu bieten hat. Deshalb sind wir immer noch hier. Die neue Platte ist kürzlich fertig geworden und ja, wir können es kaum abwarten, dass sie herauskommt. Mit dem Album sind wir sehr zufrieden. Jeder, der es bislang gehört hat, liebt es. Wir wissen, dass wir alles richtig gemacht haben. Das fällt uns aber auch nicht schwer, weil wir nicht versuchen, etwas vorzugeben, was wir nicht sind.“ Das ist die Konstante, die sich durch den bisherigen Weg der Kalifornier zieht:

„Nach 16 Jahren und all den vielen Veröffentlichungen ist die Erinnerung an unsere Anfangstage inzwischen verblasst,“ so Scott. „Mein Gedächtnis ist nicht das beste, um ehrlich zu sein. Dennoch weiß ich, dass ich auf alle Platten und Stücke von TERROR stolz bin. Jeder unserer Songs besteht den Test der Zeit und besitzt seine eigene Berechtigung und seinen Wert. Einige von ihnen bedeuten mir natürlich mehr als andere, doch an meinem Schreibstil und meinen Intentionen hat sich im Verlauf der Jahre nichts geändert.“ Innerhalb kürzester Zeit sind TERROR zu einer geachteten Größe in der Hardcore-Szene aufgestiegen, der Respekt entgegen gebracht wird und die ihre Relevanz immer wieder aufs Neue beweist. Die einhergehende Professionalisierung des Umfelds ermöglicht es dem Quintett, sich auf die Musik und die Shows zu konzentrieren: „Die Arbeit rund um die Band fällt uns nicht schwer,“ bestätigt der Frontmann. „Wir arbeiten ausschließlich mit Leuten zusammen, die die Band kennen und wissen, dass wir uns bei bestimmten Themen nicht beugen werden. Dass wir keine Lust haben, bestimmte Dinge zu tun, ist ihnen klar. Die Leute respektieren, wer wir sind. Das macht es in den meisten Fällen sehr einfach.“

Es liegt auf der Hand, dass die Musiker bestimmten Ideen und Idealen die Treue halten. Wer die Platten der Band kennt oder TERROR live erlebt, weiß das: „Wir leben Werte, die wir nicht loslassen werden, die aber gleichzeitig wachsen und sich verändern,“ sagt Scott. „Man lernt schließlich ständig etwas hinzu und erkennt bisweilen, dass es bessere Denk- und Handlungsweisen gibt als die, die man in der Vergangenheit als richtig erachtet hat. Im Jahr 2018 ist es ziemlich einfach, wütend zu werden. Die Welt, in der wir leben, ist sehr hässlich und zu großen Teilen gleichgültig. Mir bieten sich viele Möglichkeiten, die Sicht der desillusionierten Jugend auszudrücken.“

Das neue Album „Total Retaliation“ geht dabei über die jugendliche Perspektive hinaus und thematisiert die Verfehlungen unserer Zeit: „Diese Welt ist ein verdammter Albtraum und die Krankheit breitet sich aus,“ konstatiert der Musiker. „Mehr und mehr ist zu erkennen, dass alles, was uns umgibt, nicht so ist, wie es scheint. Das Album ist verdammt hart, dazu sehr düster und extrem angepisst. Für positive Gefühle und Liebe bleibt kein Raum. Das ist TERRORs Vergeltung vor der Kulisse einer sterbenden Welt.“ Das kalifornische Quintett spricht aus, was ihm auf der Seele liegt: „Bei uns hat es noch nie einen konkreten Plan oder eine definierte Richtung oder ein bestimmtes Bild in der Außendarstellung gegeben, dem wir mit TERROR gerecht werden wollen. Unsere Songs sollen hart ausfallen und Texte besitzen, mit denen sich die Leute identifizieren. Das ist es. Für das neue Album war uns wichtig, noch härter aufzuspielen, dabei aber auch den Groove und die Hooks im Fokus zu behalten.“ Letztlich geht es auch der Hardcore-Kombo darum, sich bestmöglich zu verwirklichen: „Wenn


wie Kompromisse eingehen müssen, tun wir das nur trotzig,“ verrät Scott. „Das betrifft zumeist aber nur bandinterne Geschichten. Die einzelnen Mitglieder haben jeweils unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche, wohin die Songs gehen und wie sie präsentiert werden sollen. Deshalb läuft es am Ende immer auf Kompromisse hinaus. Das Album, das letztlich erscheint, wird aber immer als eines von TERROR erkennbar sein. Denn wir werden uns immer treu bleiben. Das verhält sich bezüglich „Total Retaliation“ nicht anders als bei den Vorgängern. Innerhalb der Band stecken wir bei bestimmten Dingen zurück, doch unseren Sound werden wir nicht aufgrund von Trends, Wachstumschancen oder anderen Erwägungen verbiegen. Das wäre schwach und passt nicht zu uns.“

Das bedeutet aber nicht, dass die Kalifornier nicht auch für Überraschungen gut sind. Ein Muss ist das für den früheren Buried Alive-Frontmann aber nicht: „Meiner Meinung nach haben wir schon häufig die Erwartungen unserer Fans gerissen und Dinge umgesetzt, die man uns nicht zugetraut hat. Ich sehe aber auch kein Problem darin, wenn Bands sich ausschließlich an das halten, was sie können und damit zufrieden sind. AC/DC sind erstaunlich und erfolgreich, gerade weil sie an ihrer erprobten Formel festhalten. Ein Band wie Stick To Your Guns wiederum beweist, dass es genauso gut funktioniert, wenn man seinen Sound über die Jahre hinweg immer weiter entwickelt.“ Das Quintett ist mit sich im Reinen und mit seinem Sound zufrieden: „Wir drängen nach wie vor darauf, die Dinge bezüglich TERROR interessant und frisch zu halten und werden uns nur dann ändern, wenn es sich richtig anfühlt. TERROR werden aber in jedem Fall das bleiben, was wir sind.“ Für Scott Vogel heißt das, sich vor allem auf die eigene Band zu konzentrieren: „Mit dem, was andere tun, beschäftige ich mich nicht über Gebühr. Es bringt mir nichts, mich in die Köpfe anderer hinein zu denken, die einen anderen Hintergrund mitbringen oder sogar einer anderen Generation angehören. Ich weiß, dass TERROR hart gearbeitet und intensiv getourt und sich dabei immer so authentisch wie möglich gegeben haben. Von Zeit zu Zeit haben wir uns auch einmal zurückgelehnt, doch das tut jeder. Ich bin stolz auf den Weg, den wir eingeschlagen haben, und dieser bedeutet mir alles. Ein schneller Aufstieg und noch schnellerer Fall war nicht die Route, die das Leben uns zugedacht hat. Für einige ist das vielleicht ausreichend, doch wir streben nach mehr. Selbst mit dem digitalen Zeitalter und dem Internet mitsamt der vielen erstaunlichen Werkzeuge haben wir uns arrangiert und die Band immer auf dem neuesten Stand gehalten.“

Das Genre-Umfeld hat der Shouter dennoch im Blick: „Wenn man genau hinschaut, findet man zahlreiche Bands, die viel zu sagen haben. Vielleicht stehen diese nicht in der vordersten Reihe der Hardcore-Szene, aber ein wenig tiefer sind sie doch zu finden. Aber ich stimme zu, dass es vielen Bands zu genügen scheint, allgemeingültige Texte zu setzen, die nicht viel Gewicht besitzen und lediglich dem Zweck dienen sollen, auf der Bühne zu funktionieren. Um den Hardcore an sich sorge ich mich aber nicht. Im Moment gibt es wieder viele kritische Denker. Aktuelle Bands, die ich schätze, sind beispielsweise Freedom, Trail Of Lies, Backtrack, Abuse Of Power, Blind Justice, Regulate, King Nine oder Dare. Diese Gruppen gefallen mir so gut, weil sie nicht in Richtung Mainstream schielen und ihr eigenes Ding durchziehen. Die Hardcore-Szene hat viele erstaunliche Dinge zu bieten. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich jede Band lieben oder der Freund von jedem Hardcore-Kid sein muss. Vielfalt und gegensätzliche Ideen muss es geben, denn sonst wären wir alle gleich geschaltete Roboter.“

In dieser Hinsicht ist Scott auch das Folgende ein Anliegen: „Ich wünschte, nicht so viele Bands würden sich nach alten Song-Titeln benennen. Findet lieber etwas Originelles und Interessantes. Musiker sollen sich etwas Frisches und Neues suchen und nicht nur eine drittklassige Version von etwas sein wollen, dass es bereits gegeben hat. Das ist mein bester Rat.“ …den TERROR selbst auf „Total Retaliation“ überzeugend beherzigen.

 
 Links:
  facebook.com/terrorhardcore
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Godskill
  Touche Armore
  Unearth
  Cattle Decapitation
  Cortez

Interviews/Stories:

  Aborted
  Omnium Gatherum
  Terror

Shows:

  24.10. Monuments - Berlin
  24.10. Atlas - Berlin
  24.10. Black Peaks - Koln
  24.10. The Prestige - Koln
  24.10. Kadinja - Berlin