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Dance Gavin Dance

Storie von: arne, am 11.06.2018 ]

What A Mess!? Musikalisch verwehrt sich die Band aus Sacramento gängigen Konventionen und pflegt kreative Kauzigkeiten. DANCE GAVIN DANCE sind in der Vergangenheit sowohl durch einen hohen Personal-Verschleiß als auch rücksichtslose Kunst aufgefallen. Dieser Historie, aber ebenso dem Titel des achten Longplayers „Artificial Selection“, wird Frontmann Jon Mess auch im Interview gerecht.

 
Auf das Selbstverständnis bzw. die Philosophie des unsteten Treibens zwischen Post-Hardcore, Screamo, Prog-Rock, Mathrock, Funk und Fusion angesprochen, gibt sich der Künstler kryptisch und stimmt sogleich auf den weiteren Verlauf des Gedankenaustausches ein: „Jedes Mitglied stellt zweieinhalb Blütenblätter dar, die ihre Farbe und ihren Blütenstaub in die ganze Pflanze einbringen sollen. Wenn sie richtig gedüngt ist, blüht die Blume zu einem Gräuel der modernen Wissenschaft auf, das brodelt und mit eklatantem Überfluss pulsiert. Man hat es mit einem ekelhaften Fleisch zu tun, das Medikamente leert, die Atmosphäre verstopft und als Banner von einem Jet gezogen wird, auf dem der Spruch „Hast du Kuhpiraterie gesehen?“ steht.“ Okay, alles klar. Nicht minder deutlich erfolgt die Verortung von DANCE GAVIN DANCE im Spannungsfeld von Traditionsbewusstsein und Innovationsstreben:

„Wir tragen blaue Umhänge, während unsere Mentoren rote Overalls trugen. Wir sitzen auf den Schultern und spielen Hühnchen; ein starkes Metalcore-Duo ähnlicher Stärke. Best Buy geht aus dem Geschäft, das Zeitalter des Streites, Kali-Yuga, endet, dafür steht das Goldene Zeitalter vor der Tür. Dies ist offensichtlich Twitter, also wacht auf.“ Jep, was auch sonst. Bezogen auf den unsteten Stil der Kalifornier mit komplexen, extremen und zugänglichen Parts kommt man bei Jon Mess ebenfalls nicht weiter: „Niemand in der Band spielt Baseball, aber wir gehen auf das Spielfeld und sind auf den Home Run aus. Irgendwie wird der Ball in unserer Version des Spiels aber nie gefangen. Deshalb müssen wir in das chaotische Reich vorrücken, um die Daten zurückzubringen und die aktuelle Reihenfolge zu aktualisieren.“ Natürlich. Etwas (!) greifbarer äußert sich der Frontmann auf den Abgleich von Eigen- und Fremdbild angesprochen:

„DANCE GAVIN DANCE klingt wie Screamo und Pop, die mit einer Nudel vermengt werden, während die anderen beiden Jungs es unterdrücken, sofern bei ihnen bei Flackern aufblitzt. „Ich hoffe, dass die Leute mich verstehen“, ist nichts, was jemand jemals gedacht hat. Also warum sollten sie jetzt anfangen?“ Fragen bezüglich möglicher Grenzen der kreativen Freigeistigkeit münden ebenfalls im Nichts. Um das, was war, mit dem, was noch kommen kann, zu verbinden, ersinnt Jon Mess das folgende Procedere: „Du zeichnest genau in die Mitte eine Linie und benutzt ein Präzisionsmesser, um zwei Hälften zu schneiden. Dann scheißt du auf die eine Seite und pisst auf die andere, steckst die beiden in einen Mixer und trinkst das, was herauskommt. Während es noch in deinem Mund ist, erzählt jemand einen Witz und du spuckst das Ganze auf eine Tafel mit Zahlen und Song-Titeln. Das ist dann ein erster Entwurf. Dann gehst du alles durch und bearbeitest es, steckst es wieder zusammen, bis du die Form eines Monsters gefunden hast. Diesen Kerl fütterst du anschließend mit Kreatin und Elektrizität, bevor du ihn oben drauf wickelst und an das Team sendest.“ Nichts anderes war es zu vermuten.“ Dass ausreichend Raum existiert, sich auszutoben und eigene Akzente zu setzen,


steht für den Frontmann immerhin fest: „Auf der Suche nach einer guten Zeit gibt es gefühlt 274 Millionen Kombinationen von Noten, von denen wir 468 noch zu entdecken haben.“

Wobei DANCE GAVIN DANCE allerdings eine Steigerungsstufe offener Experimentierfreude leben: „Viele unserer Songs sind tatsächlich transkontinental, was viel experimenteller ist, als einfach zwischen Ländern zu wechseln. Für diesen Vertrauensvorschuss arbeiten wir an einem neuen Motor-Typ, der von dem guten Licht-Alien Tom Delonge gegeben wurde, um die schändlichen Grauen zu bekämpfen, die wahrscheinlich nur Dämonen sind.“ Hhm, friedfertig sind die Kalifornier niemals über einen längeren Zeitraum hinweg, denn sie wollen sich nicht verstellen – oder so ähnlich: „Du magst dich vielleicht zu einem sanften Lied inspiriert fühlen, wenn du ein Lamm oder ein Neugeborenes streichelst. Doch in diesen kurzen Momenten der Klarheit erkennst du, wie stark unsere Zuneigung zu Säugetier-Babys ist und wie leicht du einem solchen heiligen Gefühl mit einem Lied, das eine solche transzendente Erfahrung nicht richtig vermittelt, einen schlechten Dienst erweisen könntest.“ Diese Äußerung vermittelt zumindest eine ungefähre Ahnung davon, weshalb die Musiker bisweilen verträglich bis poppig agieren. Dass die Rise-Kombo ihr Schaffen reflektiert, wird vom Frontmann nicht ausdrücklich dementiert: „Wir können bis zu drei Meilen von unserem Album entfernt bleiben, um es als das zu sehen, was es ist. Jahre später wird eine Rakete „Mothership“ in eine ferne Galaxie bringen. Nur von diesem Standpunkt aus verstehen wir das Album in seiner Essenz.“

Wie die Brücke vom 2016er Werk zu „Artificial Selection“ zu schlagen ist, offenbart die Äußerung jedoch nicht: „Man kann nur so lange kreativ sein, bis man einen Schub braucht. Das beste Mittel ist ein Kawasaki Jet-Ski, der in der Mitte des Tahoe mit Höchstgeschwindigkeit fährt. Sie starten direkt in den Himmel mit dem Kielwasser des großen Dampfschiffes. Während Sie dort oben sind, können Sie diese herrliche Aussicht genießen, wo Wasser und Berge aufeinander treffen.“ Was das konkret für die kreative Arbeit am neuen Album und den Band-Sound bedeutet, kann Jon Mess nicht auflösen: „Ich erinnere mich nur, dass ich auf Autopilot gegangen bin. Nachdem das Album fertig war, habe ich mich gefragt, was passiert ist. Unser nächstes Album wird die Chemie einer Atombombe sein, denn wir haben die Zutaten für eine größere Explosion gespart. Wenn man sie zum nächsten Album rollen lässt, bekommt man eine super Klang-Explosion wie nie zuvor, die vielleicht auf den Namen Arglist heißen wird.“

Na dann. Ob der Frontmann nun keine Lust auf die ernsthafte Beantwortung von Fragen hatte, unter dem Einfluss berauschender Substanzen stand oder eine neue Form der Selbstdarstellung ausprobieren wollte, ist nicht bekannt. Wahlweise sind seine Einlassungen als witzig, unangemessen oder skurril auszulegen. Die abschließenden Worte verdeutlichen das neuerlich: „Cha Ching Cha Ching, Wake Up In The Morning Dick Still Hard Ba Da Bing.” Okay!?

 
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