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Science Of Disorder

Storie von: arne, am 01.06.2018 ]

Die Schweizer Band besteht seit drei Dekaden. Neben Erfahrung und Routine sind „Private Hell“ auch ungebrochene Leidenschaft und Fokussierung anzuhören. Elemente aus dem Death- und Thrash-Metal interagieren in den Stücken von SCIENCE OF DISORDER mit songdienlichen Heavy-Rock-Akzenten, ohne die barsche, drückende Attitüde des Albums zu relativieren.

 
„Die Band wurde 1989 unter dem Namen Soulless geboren,“ erinnert Gitarrist Stéphane Grand. „Ich bin das einzige Gründungsmitglied, das noch übrig ist. In den 30 Jahren unseres Bestehens haben wir viele Härten durchgemacht. Eine der schwierigsten war der plötzliche Tod unseres Sängers „Chris by 8“ gleich nach der Veröffentlichung unseres letzten Albums „Heart, Blood And Tears…“ Doch wir hatten auch viele gute Momente, etwa das Vergnügen, die Bühne mit Megadeth, Texture, In Quest, Pro-Pain und Rotten Sound zu teilen oder mit Entombed zu touren. Unser Weg ist lang und schwierig, aber die Freude überwiegt. Wenn man seine Musik nach den eigenen Wünschen ausrichtet und mit Leidenschaft bei der Sache ist, kann das auch gar nicht anders sein.“ Die vielen Jahre mit bzw. in der Band sind an Stéphane jedoch nicht spurlos vorüber gezogen: „Es war eine ziemlich komplizierte Zeit, in der zuletzt auch immer wieder Zweifel aufgekommen sind. Das beginnt schon beim Stil. Wir haben mehrmals die Richtung gewechselt, bevor wir mit dem aktuellen Line-Up wieder Konstanz erreicht haben. Der Sinn für Risiko und unsere Erfahrung erlaubten es uns, alle Songs kritisch zu überprüfen und an unserer Historie zu messen. Ein Ergebnis ist, dass wir den Gesangs-Parts mehr Raum gewährt haben. Was mich auch heute noch antreibt, ist vor allem das Vergnügen, auf der Bühne zu stehen. Mit einem Bodybuilder, einem Geek, einem gestörten 45-jährigen Teenager und einem Schlagzeuger, der sich seinen Schwanz tätowieren lässt, können wir uns aber nicht immer auf alles einigen, was die Band und meine Vorstellungen anbelangt.“

Da trifft es sich gut, dass SCIENCE OF DISORDER stilistisch nicht allzu festgelegt sind, sieht man davon ab, dass sie einen eher klassischen Zugang zum Heavy-Sektor pflegen: „Die Erfahrung hilft uns, dieselben Fehler nicht zu wiederholen. Dennoch ist es mitunter schwierig, beim Komponieren neue Ansätze zu finden. Da hilft es, dass jedes Bandmitglied seine eigenen Erfahrungen und musikalischen Hintergrund einbringt. So wird unsere Musik beständig neu beeinflusst und bereichert. Ich würde aber nicht so weit gehen, zu sagen, dass es heute einfacher oder schwerer ist, sich neue Songs auszudenken.“ Für den Entstehungsprozess von „Private Hell“ bedeutet das ganz konkret: „Unsere Musik schwankt unbestreitbar mit den Erfahrungen eines jeden von uns und entwickelt sich unweigerlich mit der Zeit. Die Idee für die neue Platte war es, unsere Komfortzone zu verlassen und neue Horizonte zu erkunden, ohne dabei unsere Identität zu verlieren,“ umreißt der Gitarrist. „Mit einem Jazz-Schlagzeuger und einem


Sänger, der tatsächlich singen kann, bieten sich uns breite Gelegenheiten, neue Dinge auszuprobieren, wovon der Gesamteindruck profitiert. Wir haben unseren Stil mit reifer Musik und erweiterten lyrischen Parts angereichert. Für dieses Album bestand der Wunsch, Geschichten zu erzählen und Themen auf eine andere Art und Weise zu behandeln, die uns neue Perspektiven eröffnet. Entsprechend war das Songwriting noch wichtiger als sonst, da sich Musik und Texte gegenseitig spiegeln und bedingen.“

Was dabei im Ergebnis nun genau das Spiel von SCIENCE OF DISORDER auszeichnet, kann selbst Stéphane nur annäherungsweise in Worte fassen: „Unser Sound könnte mit einigen Death Metal-Bands aus den 1990ern verglichen werden, die um zeitgenössische Akzente aufgewertet werden. Die Wünsche und Vorstellungen der Band-Mitglieder dienen uns als Ausgangspunkt für die Realisierung unserer Projekte, der Songs. Wenn wir uns von jedem verstanden fühlen wollen, würden wir keinen Metal spielen. Unsere Musik ist nicht zu kryptisch, doch es ffinden sich mehrere Verständnisebenen, so dass am Ende jeder Hörer individuell entscheidet, was er in unseren Stücken sieht.“ Mit „Private Hell“ erscheint dabei eine kompakte Platte, die für sich steht: „Das Komponieren und Aufnehmen dieses Albums hat den Zusammenhalt der Band gestärkt,“ erwidert der Gitarrist. „Es gibt bei uns diesen gemeinsamen Wunsch nach Innovation und der ist zweifellos der wesentliche Beitrag zu unserem Zusammenhalt. Von mir kommen Rhythmus-Gefühl, Kreativität und Erfahrung. Pelthor (Gitarre) bringt seine Technik und seinen Wahnsinn ein; Baptiste (Schlagzeug) seinen jazzigen Groove. Jerome (Vocals) ist für den dramaturgischen Faden verantwortlich, denn er verfügt über eine klassische Ausbildung.“

Gerade durch den neuen Sänger bieten sich SCIENCE OF DISORDER viele Möglichkeiten, zu überraschen und andere Seiten des Metal zu betonen: „Die Beteiligung von Jerome und seiner stimmlichen Möglichkeiten erlaubte es uns, die Musik aufzuhellen. Durch einen Sänger, der sowohl mit klarer Stimme als auch überzeugend mit Screams arbeiten kann, hat sich unser musikalischer Horizont drastisch erweitert. Mehr denn je sind wir heute auf der Suche nach Groove und Emotion.“ Textlich geht es auf „Private Hell“ indes in die entgegengesetzte Richtung: „Wir thematisieren Wahnsinn in verschiedenen Formen; vor allem aber die Abschottung, die man in seinem eigenen Kopf vornimmt. Daher resultiert der Titel des Albums. Jedes Stück stellt eine Neurose dar, die uns zum Äußersten zu treiben sucht – das Gehirn abzuschalten und willenlos zu ergeben.“

 
 Links:
  science-of-disorder.com
 
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