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American Nightmare

Storie von: arne, am 18.02.2018 ]

Na endlich! Viel später als von den Fans erhofft, erscheint das Reunion-Album von AMERICAN NIGHTMARE. Die Band aus Boston spielt schon seit Ende 2011 wieder Shows. Für das selbstbetitelte Drittwerk hat sich das Quartett reichlich Zeit gelassen. Dabei setzen Wesley Eisold & Co. auf jenen unsteten, düster gestimmten Mix aus Punk und Hardcore, der einst die Frühphase der Gruppe bestimmt hat.

 
„Wir haben die Platte gemacht, die wir machen wollten,“ stellt Frontmann Wesley Eisold (auch Cold Cave, Some Girls und XO Skeletons) klar. „Sie war so lange nicht fertig, bis wir spürten, dass sie komplett war und das widerspiegelt, was wir gesucht haben. Es gab also weder Zweifel noch Not für Hektik oder Nervosität. Wir haben wirklich das Glück, diese coole Fan-Basis zu haben, die mit unserer Musik in Verbindung steht und sich in ihr wiederfindet. Die Leute verstehen, woher wir herkommen und was uns bewegt. Im Grunde genommen haben wir nicht mehr getan, als geprobt und daran gearbeitet, wie wir die Songs, Setlisten, etc. spielen wollen.“ Als sich die Band wieder in ihrer originalen Besetzung zusammen fand, ließen die Musiker es ruhig angehen, wobei eine vollwertige Reunion nicht zwingend auf dem Plan stand:

„Anfangs wurde nicht wirklich darüber geredet,“ so Wesley. „Es dauerte ein paar Jahre, bis wir die Rechte an unseren ursprünglichen Namen AMERICAN NIGHTMARE bekamen und nutzen konnten. Sobald das passiert was, haben wir das Album aber ziemlich schnell geschrieben und umgesetzt. Das zwischenzeitliche Give Up The Ghost war in all den Jahren eher so etwas wir ein Platzhalter. Doch dieser repräsentierte zu keiner Zeit die frühen Tage der Band, die Macht und Gewalt des Herzens und das, was wir in der Band gesehen haben.“ Dieser Umstand hat seinen Teil dazu beigetragen, dass sich die Bostoner 2004 getrennt haben: „Wir waren vor allem schlicht erschöpft,“ erinnert sich der Sänger. „Ich habe die nötigen Konsequenzen gezogen, weil ich wusste, dass ich es nicht mehr machen konnte. Emotional, geistig und körperlich war ich vollends durch. Wir hatten alles erreicht, was möglich war, ohne mit unseren Wurzeln zu brechen. Wir hätten in die nächste Welt gehen müssen, in der wir mit Bands und auf Festivals gespielt hätten, die nicht für uns waren und denen wir uns nicht verbunden gefühlt haben. Wir hätten uns immer weiter von dem entfernt haben, was wir an Punk und Hardcore lieben. Das konnten wir nicht, also haben wir gestoppt und diesen Schritt nicht bereut. Heute machen wir es so, wie wir es für richtig halten und wie wir es mit uns vereinbaren können. Wir spielen gerne Shows und wollten neue Songs, die uns in der Gegenwart repräsentieren.“

Das Quartett agiert primär impulsiv, angriffslustig und wütend; setzt aber auch intensiv-atmosphärische Momente, die den düsteren Charakter des Drittwerks unterstreichen: „Wir haben keine definierten Erwartungen oder Hoffnungen,“ zeigt sich


Wesley bescheiden. „Wir tun schlicht das, was wir tun wollen. Es ist unser drittes Album, fühlt sich aber auch wie ein Debüt an. Uns war es wichtig, den Sound von AMERICAN NIGHTMARE auf das Primitivste zu reduzieren und ihn in seiner rohesten Form zu präsentieren. So, als ob wir sagen: Hier ist unser pures Herz, nichts anderes. Das ist der Grund, weshalb es selbstbetitelt ist und die Erklärung für die Cover-Gestaltung – unser Logo mit einem Herzen in der Hand.“ Die Bostoner sind mit sich im Reinen und wissen, was sie ausrücken und darstellen wollen. Exakt das setzen sich um. In der Kunst sollte es nach Ansicht des Frontmann immer so sein:

„Jeder Künstler muss seiner Vision für die eigene Kreation treu bleiben, unabhängig von allem anderen. Nur wenn die eigene Kunst dir gerecht wird und dich selbst bewegt, kann sie auch andere erreichen. Niemand außer dir selbst weiß oder beeinflusst, was deine Vision ist.“ Die Frage, ob das Comeback-Werk nun eine Weiterentwicklung des Sounds oder eine Rückbesinnung auf alte Qualitäten markiert, stellt sich für den Sänger aus dieser Erwägung heraus erst gar nicht: „Bei Progression geht es nicht allein darum, besser zu werden oder sich als Musiker zu verändern. Für uns steht im Mittelpunkt, zum Minimalsten und Wesentlichsten, dem Herz, vorzudringen. Darum herum gibt es keine Ablenkung und keinen Bullshit. In meinen Augen drückt sich darin unser Fortschritt aus.“

Die Gefühlsverarbeitung erfolgt wiederum im Gewand zwischen Punk und Hardcore: „Wir wollten eine Platte machen, die die Vielfalt unserer Einflüsse repräsentiert, die es damals und heute gab – vom frühen Boston, NY, LA und DC Hardcore bis zu den mittleren und späten 1980er Jahren und dem Sound von Labeln wie SST, Touch and Go oder Sub Pop. Das ist der Background, den wir in der Band teilen. Die Songs haben wir ganz natürlich als Gruppe geschrieben und so ist diese Platte entstanden. Ich liebe die Qualitäten des Albums und wie isoliert es sich anfühlt; vor allem aber die Kürze und das Direkte. Das passt zu meinen Texten, die sich um die Idee der Liebe und ein Leben im Krieg mit Depressionen drehen. Wir kommen aus dem Herzen, gehen aber an die Kehle.“

AMERICAN NIGHTMARE hilft Wesley Eisold dabei, sein mentales Gleichgewicht zu wahren: „Meine ganze Musik ist dunkel, denn so fühle ich mich nun einmal. Musik zu machen und aufzuführen, ist für mich ein Prozess der Suche nach Hoffnung. Es bietet mir die Möglichkeit, eine Verbindung zu Menschen zu finden, denen es ähnlich geht.“

 
 Links:
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