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The Atlas Moth

Storie von: arne, am 06.02.2018 ]

Die aus Chicago stammenden THE ATLAS MOTH bestehen seit gut zehn Jahren. In den Songs des Quintetts geht es heftig, roh und intensiv zu, ohne dass sich sagen lässt, was die Band nun genau treibt. Der vierte Longplayer „Coma Noir“ stellt diesbezüglich keine Ausnahme dar. Im Zusammenspiel von Elementen zwischen Sludge, Death, Psychedelic, Doom, Noise und Post-Metal entsteht ein manisch-wuchtiger Heavy-Sound.

 
Nach Beendigung der Arbeit an dem neuen Album steht für die Musiker derzeit Alltag auf dem Plan, bevor die mit der Veröffentlichung einhergehenden Tour-Aktivitäten starten: „Gerade sitze ich in dem Tattoo-Shop, in dem ich arbeite, wenn ich nicht auf Tour bin, Taylor Street Tattoo,“ erzählt Gitarrist/Sänger Stavros Giannopoulos (ex-Twilight) zum Auftakt. „Nach dem Erscheinen von „The Old Believer“ sind wir von Juli 2014 bis Ende 2015 viel unterwegs gewesen. In diesen eineinhalb Jahren ist eine ordentliche Anzahl an Tourneen zustande gekommen, auch wenn es noch mehr hätten sein können. Über diesen Zeitraum hinweg haben wir mal mehr, mal weniger für „Coma Noir“ geschrieben, sind aber nie wirklich in Fahrt gekommen. Das hat sich erst Ende 2015 geändert, als wir unseren Schlagzeuger ausgetauscht haben. Letztendlich ist das Material der neuen Platte zwischen 2016 und Mai 2017 entstanden. Aufgenommen haben wir dann dieses Jahr im Juni.“ Der angesprochene personelle Wechsel ist bezeichnend für die Entwicklung von THE ATLAS MOTH, die immer wieder ausgebremst wird:

„Grundsätzlich bin ich ein Typ, der gute Geschichten zu schätzen weiß. Egal, ob es um gute oder schlechte Erfahrungen geht, neige ich dazu, mich nicht unterkriegen zu lassen, solange meine Freunde und ich unversehrt davon kommen. Der „Bury Me In Smoke“-Jam mit Down sowie Matt Pike (Sleep, High On Fire) und Jason Roeder (Neurosis) sticht dabei als unglaublicher Höhepunkt heraus. Der Auftritt an meinem 30. Geburtstag im „House of Blues“ in Chicago als Support von Gojira ist mir ebenfalls in guter Erinnerung geblieben. Dass wir mit Neurosis in der Chicagoer U-Bahn aufgetreten sind, ist eine weitere nette Anekdote. Dem gegenüber steht der Verlust von zwei Schlagzeugern, was uns aufgehalten hat. Andererseits ist unser jetziger Schlagzeuger Mike bestens dafür geeignet, das umzusetzen, was wir anstreben. Alles hat seinen Grund, das meinte ich.“ Für den Frontmann ist das Glas halb voll und nicht halb leer. Er kann allen Situationen etwas abgewinnen und für sich positiv deuten. Das gilt auch für die Aufstellung seiner Band zwischen stilistischen Stühlen:

„Eine unserer Hauptprinzipien besteht darin, uns nicht in ein bestimmtes Genre einzuordnen. Offensichtlich gab es für unsere Band einen Ausgangspunkt, doch das war kein klar umrissener, definierter Sound. Langlebigkeit und Unberechenbarkeit sind schon immer etwas, wonach ich strebte und was ich sehr schätze. Für mich sind diejenigen die besten Bands, die sich ständig weiterentwickeln und sich mit ihrem Sound nicht in eine bestimmte Ecke drängen lassen. Es gibt zwar auch einige Gruppen, die ich schätze, gerade weil sie sich ständig wiederholen, aber das sind nur sehr wenige, bei denen noch dazu nicht wirklich klar ist, was sie so großartig macht. Um ehrlich zu sein, hat es für THE ATLAS MOTH anfangs weder einen Schlachtplan noch konkrete Ziele gegeben. Ich war gerade bei einer anderen Band ausgestiegen, die ich in der High School gegründet und in die ich viel Herzblut investiert hatte. Als das zu Ende ging, wollte ich eine neue Band haben, mit der ich meine Einfälle ohne Einschränkungen umsetzen konnte. Ich hatte Glück mit den Musikern, die ich dafür rekrutiert habe, denn sie haben meine Motivation verstanden und wollten dasselbe. Zehn Jahre später sind wir immer noch aktiv.“

Hinsichtlich der Anlage des Heavy-Sounds und dessen Rezeption hat sich ebenfalls nichts geändert. Mit „Coma Noir“ erscheint das vierte Album, dass man von Beginn an als spannend wahrnimmt, sich aber erarbeiten muss und nicht so recht greifen kann: „Meinem Eindruck nach wird unsere Band zumeist mit allgemeinen Genre-Begriffen belegt, die uns in meinen Augen allerdings nicht gerecht werden,“ nimmt Stavros den Faden auf. „Wir wurden schon Doom, Stoner Metal und Post-Metal genannt. Obwohl ich zustimme, dass Elemente davon in unserer Musik existieren, sind wir dennoch nicht auf solche Einschränkungen festzulegen. Einmal habe ich gehört, dass man uns als „Dream-Sludge“ beschrieben hat. Das sagt mir irgendwie schon zu, aber am Ende des Tages sind wir schlicht THE ATLAS MOTH. Zuzuhören ist der einzige und beste Weg, zu verstehen, was uns auszeichnet.“ Interessanterweise zieht der Gitarrist


und Sänger Vergleiche zu Gruppen, die nicht offensichtlich auf der Hand liegen: „Es gibt zwei Bands, zu denen ich stets aufgeschaut habe, weil mir ihr Sound und ihre Art, sich zu präsentieren, stark zusagen. Das sind die Deftones und Faith No More. Beide haben immer wieder Platten herausgebracht, die sich völlig von ihren früheren Veröffentlichungen unterschieden. Es wäre ihnen ein Leichtes gewesen, die Erwartungen der Leute zu bedienen, doch sie sind ihren eigenen Weg gegangen. Das finde ich bewundernswert. Ihre Langlebigkeit ist zudem der Beweis dafür, dass es auch auf diesem Weg funktionieren kann.“

In dem Metier, in dem sich die Musiker aus Chicago bewegen, gibt es aber ebenfalls Künstler, die ähnlich aufgestellt sind bzw. agieren: „Wir haben schon viele tolle Leute getroffen und enge Freundschaften geschlossen. Das trifft insbesondere auf Intronaut und Ken Mode zu, die für mich Brüder im Geiste sind. Umgekehrt sind uns auch Unmengen von Bands begegnet, die nur so lange freundlich zu uns waren, bis sie im Kontakt mit uns keinen Vorteil mehr gesehen haben. Inzwischen hören wir auf unser Bauchgefühl, dass uns diesbezüglich nicht mehr im Stich lässt.“ Innerhalb von THE ATLAS MOTH stimmt die Chemie: „Mit den vier ursprünglichen Mitgliedern sind wir im Laufe der Jahre immer näher zusammen gerückt,“ erinnert sich der Frontmann. „Dabei sind wir unserer Philosophie gefolgt, was unsere Arbeitsweise und den Sound verändert hat. Wir haben hart gearbeitet und unser Herzblut in die Musik gesteckt, doch unser Fehler war, dass wir nicht smarter geworden sind. Inzwischen haben wir unsere Lektion gelernt, doch das hat gedauert. Heute gönnen wir uns das Arbeitstempo, das für uns das richtige ist, und sind nicht mehr darauf aus, allem und jedem etwas beweisen zu wollen. Das hat uns eine Menge Druck genommen und fühlt sich gut an.“

Der personelle Wechsel am Schlagzeug wirkt befruchtend: „Unser neuer Schlagzeuger Mike bringt die rockige Seite unseres Spiels stärker zur Geltung, die bislang noch nicht vollständig erforscht war,“ freut sich Stavros. „Das passt zu meiner Aussage, dass es keinen klassischen THE ATLAS MOTH-Sound gibt. Die aktuelle Art unserer Präsentation sagt mir sehr zu. Beim Schreiben der Stücke für „Coma Noir“ habe ich eine sehr wütende Grundstimmung gespürt. Diese schwingt dem Album auch jetzt noch mit. Was den Songwriting-Prozess betrifft, war dieses Mal alles anders. Wir haben die Songs wieder und wieder neu geschrieben, bis wir das optimale Ergebnis erreicht und nicht das Gefühl hatten, Potenzial zu verschenken. Das Einzige, was wir machen wollten, war es, großartige Songs zu schreiben. Da wir während der gesamten Lebensdauer der Band schon so viele unterschiedliche Metal-Phasen durchlaufen sind, können wir heute aus dem Vollen schöpfen. An großartigen Songs mangelt es aber zunächst immer. Damit meine ich Songs, die einprägsam und selbstbewusst klingen. Lange Zeit hat ich kein klares Bild davon, wie „Coma Noir“ am Ende sein würde. Es gab mehrere Zeitpunkte, an denen wir uns einfangen und wieder fokussieren mussten. Für jeden von uns ist es die erste vierte Platte mit einer Band, so dass alles neu ist und wir uns mit der Situation zu Recht finden mussten. Letztlich ist es uns geglückt, uns von allen Erwartung zu befreien und die Musik die Richtung bestimmen zu lassen. Anders geht es ja auch gar nicht.“

Und das korrespondiert glänzend mit dem grundsätzlichen Vorgehen von THE ATLAS MOTH: „Wir planen kaum etwas,“ gesteht Stavros Giannopoulos. „Bei uns passiert meistens alles von ganz alleine. Selbst wenn ich persönlich eine klare Vorstellung davon hätte, wohin ich mit einem bestimmten Lied gehen will, würde alles spätestens dann über den Haufen geworfen, wenn wir als Band zusammen kommen. Denn gerade erst im Spiel der Gruppe entsteht das, was uns auszeichnet. Das ist ein ganz eigener Zauber.“ Vom fertigen „Coma Noir“ ist der Sänger und Gitarrist jedenfalls überzeugt: „Mich freut es, dass wir mit der Band das nächsthöhere Level erklommen haben. Was genau das ist, kann ich zwar nicht sagen, doch ich habe das starke Gefühl, genau das erreicht zu haben. Das neue Album fasst unsere Existenz bis zu heutigen Zeitpunkt gut zusammen.“

 
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