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Minipony

Storie von: arne, am 05.12.2017 ]

So eigenwillig und irreführend wie der Band-Name anmutet, gestaltet sich auch die Auseinandersetzung mit der Kunst des Duos. MINIPONY finden Gefallen daran, Konventionen zu negieren und eine eigene Sichtweise auf den extremen Metal zu zelebrieren. Das Debüt „Imago“ überrascht trotz Reizüberflutung und Poly-Rhythmik-Exzessen ebenso mit kruder Zugänglichkeit.

 
„Ich bin dankbar dafür, dass das der Eindruck ist, den die Leute von unserem Projekt gewinnen,“ greift Kreativkopf und Gitarrist Amadeus Galiano die einleitenden Überlegungen auf. „Das Andersartige an MINIPONY ist die Art und Weise, wie wir unsere Kunst um eine technische Metal-Band entwickeln. Für mich repräsentieren wir im Kern die Verbindung der innovativen und visionären Künstler, die uns tief beeindruckt haben. Aus ihrem Einfluss und unseren Ideen hat sich unsere eigene Sprache entwickelt.“

Im ersten Moment versteht man dabei nicht viel, denn zunächst suchen Hörer nach Orientierung, weil „Imago“ entlang schonungsloser Klangexperimente aufgesetzt wird: „Diese Sichtweise kann ich nachvollziehen,“ stimmt Amadeus zu. „Ich war Vollzeit-Musikstudent, als ich Meshuggah entdeckte und sofort anfing, verrückte Grooves zu komponieren. Zu dieser Zeit war ich wie ein Schwamm, der alles aufsaugte, was meiner Entwicklung als Musiker half. Das kennen viele Künstler, nur ist es inzwischen schwierig geworden, selbst etwas zu erschaffen, was noch schwieriger aufzuführen oder zu verstehen ist als ein cooles Original-Konzept. In unserem Fall versuchen wir, aggressive, verzerrte Musik mit einem weichen, hohen Stil und dem nicht aggressiven Image der Band zu vermischen. Wir wollen unsere Zuhörer eigentlich nicht überfordern. In einigen Fällen haben wir dank unseres visuellen Ansatzes auch schon Nicht-Metal-Fans dazu veranlasst, Tech-Metal zu hören. Das beste Beispiel ist meine Schwiegermutter, die unsere Videos liebte und sich an Meshuggah gewagt hat, nachdem sie erfahren hat, dass sie ein direkter Einfluss auf unsere Kompositionen sind.“

MINIPONY geht es darum, sowohl das minimalische Ende der Metal-Sparte auszuloten als auch das komplexe Extrem am anderen Ende des Spektrums zu bearbeiten: „Unser Stil ist heftiger Metal und in einigen Fällen bewusst monoton angelegt. Dies war eine Entscheidung, nachdem Emilia (Gesang und Sampling) und ich jahrelang die Crossover-Band El Karmaso hatten. Bevor MINIPONY geboren wurde, spielten wir einen Mix aus verschiedenen Gattungen und Kombinationen von Rhythmen und Melodien. Harte „One-Note-Songs“ zu komponieren, bietet uns nun die Möglichkeit, etwas auszudrücken und zu veröffentlichen, was wir früher ausgesperrt haben. Wir versuchen, uns auf die Kraft der Rhythmen und Grooves zu konzentrieren und schätzen es, wenn die Melodie das Sahnehäubchen ist. Ich halte die Wahl des Gesamtkonzeptes, das wir darstellen, für perfekt.“

Vom eigenen Debüt ist der Gitarrist überzeugt: „Das Album repräsentiert exakt das, was wir im Sinn hatten und was wir mit der Live-Show


erreichen wollen: eine kraftvolle und minimal innovative Band. Selbst wenn wir versuchen würden, ein lineares Konzept ohne Freiheitsgrade für die Deutung aufzusetzen, wären wir am Ende überrascht, welch unterschiedliche Reaktionen bei den Leuten auftreten. Doch Hörer bewusst aus ihrer Komfortzone heraus zu kitzeln und ihren Verstand zu erweitern, ist ein noch viel besserer Ansatz.“ Die Umsetzung des selbstgesteckten Ziels hat das Duo mit Akribie und Durchhaltewillen erreicht: „Es hat drei Jahre gedauert, dieses Album fertigzustellen,“ so Amadeus. „Das meint nicht allein das Recording, Mixing und Mastering. Der gesamte Prozess des künstlerischen Konzepts von „Imago“ spiegelt die Reflexion verschiedener Phasen und Situationen unserer Leben wider, was auch auf die zugehörigen Bilder und Texte abstrahlt. Deshalb haben wir die Tracklist in chronologischer Reihenfolge des Songwritings gesetzt. So können Hörer die Entwicklung des Albums leichter nachvollziehen. Die Tatsache, dass wir ein Debüt komponiert haben, ist großartig. Als wir anfingen, hatten wir noch keine Vorstellung von unserem künstlerischen Weg. Das habe ich als förderlich empfunden, denn wir verspürten keinen Druck, unseren Stil frühzeitig festzulegen oder durch irgendeinen Musikmarktfaktor zu konditionieren.“

Die zurück gelegte Wegstrecke ist lang: „Emilia und ich sind Partner in der Musik und im Privaten. Vor circa acht Jahren haben wir uns entschieden, MINIPONY auf die Beine zu stellen. Anfangs war es eher als Witz und Thrash-Metal-Band mit einem niedlichen Namen gedacht, wobei wir uns bei Konzerten Puppenkleider und Knieschoner angezogen haben. Wir wollten provozieren und den Prototyp einer Metal-Band ins Lächerliche ziehen. Als wir Meshuggah entdeckten, die ihre Musik auf innovative Weise präsentierten, wurde es dann schnell ernsthaft. Wir lernten viel über Komposition und Produktion, unsere Philosophie änderte sich und unsere Songs bekamen krude Wendungen mit seltsamen Poly-Rhythmen und aggressiven Gesangslinien. Wir waren fasziniert von einer neuen Art und Weise, unsere Texte zu komponieren.“

Der Reiz hält bis heute an: „Imago“ ist das Erwachsenen-Stadium eines Insekts. Wir haben uns für dieses Konzept entschieden, um den Reifeprozess der Band darzustellen. In allen Liedern wählen wir Tiere aus, um existenzielle und Protesttexte zu formulieren. Auch die Literatur von Alejandro Jodorowsky und Ernesto Sabato hat uns beeinflusst, weil sie die Dualität von Charakteren aufzeigt. Das dient uns als Metapher für unsere Band, die lange gebraucht hat, um ihr Gleichgewicht zwischen beiden Persönlichkeiten zu finden.“

 
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