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Across The Atlantic

Storie von: arne, am 31.07.2017 ]

Im Pop-Punk kommt es auf mitreißende Melodien, zwingende Hooklines, einen locker umgesetzten Gefühlsüberschwang und vertonte Lebensfreude an. Willkommen in der Welt von ACROSS THE ATLANTIC, die auf „Works Of Progress“ eine positiv aufgeladene Hymne nach der anderen zum Besten geben.

 
„Es wäre ein Missverständnis, davon auszugehen, dass wir es als Band darauf angelegt haben, so zu klingen, wie wir es heute tun. Das ist von der Wahrheit meilenweit entfernt,“ gibt Frontmann Jay Martinez gleich zu Beginn des Gespräches zu Protokoll. „Als es mit der Gruppe losging, bin ich davon ausgegangen, dass eine traditionelle Hardcore-Band entstehen würde. Das war damals die Richtung, die ich tagein, tagaus gehört habe. Weder habe ich mich um Melodien noch um poppige Chöre gekümmert oder auch nur dafür interessiert. Clean zu singen, schien für mich unvorstellbar. Meine wichtigsten Einflüsse waren Bands wie Terror und Hatebreed. Im Laufe der Zeit aber, als neue Mitglieder hinzu kamen, fingen wir an, zu experimentieren, unsere Einflüsse miteinander zu teilen und sie im Songwriting zu verarbeiten. Pop-Punk, MetalCore, Post-Hardcore, Rock, Folk – das sind wohl die wichtigsten. Der überraschende Teil in diesem Prozess war es, dass wir anfangs nicht einmal erkannten, dass sich eine stilistische Veränderung einstellte. Es ist einfach passiert. Eines der Dinge, die ich an dieser Band am meisten schätze, ist, dass wir aufgeschlossen sind und die stilistische Vielfalt nicht nur umarmen, sondern zelebrieren. Infolgedessen konnten wir immer die Musik schreiben, die wir wollten, und wussten dennoch niemals im Voraus, was dabei heraus kommen würde. Das bezeichne ich als absolute Freiheit, die in dieser Sub-Kultur eine Seltenheit zu sein scheint. Damit möchte ich nicht sagen, dass wir viel Aufmerksamkeit auf unser Umfeld verwenden, doch natürlich kennen wir die Geschichte von Pop-Punk und Hardcore. Es ist ein Klischee, zu sagen, wir spielen exakt die Musik, die wir selbst gerne hören wollen, doch genau so verhält es sich. Wir haben sehr viel Glück, dass es viele Leute zu geben scheint, die unsere Vorlieben teilen.“

Zum Hintergrund der Band sollte man wissen, dass hier keine unreflektierten Berufs- oder Zweckoptimisten zugange sind. Stattdessen hat man es mit Überzeugungstätern zu tun: „Ich bin ein langjähriger Musik-Liebhaber und ein Video-Spiel-Enthusiast,“ sagt der Frontmann über sich selbst. „Ich habe einen Bachelor-Abschluss in Kommunikation und einen Master-Abschluss in Massenkommunikation. Mit der Band eine Plattform zu haben, um frei durch die Kunst in Form von Musik zu sprechen, ist etwas, was ich wirklich schätze. Für mich ist dadurch ein Traum wahr geworden. Wenn es uns gelingt, das Leben zumindest einer Person zum Besseren zu wenden, würde ich sagen, dass meine Karriere erfolgreich verlaufen ist.“ In den vergangenen fünf Jahren haben sich ACROSS THE ATLANTIC langsam aber stetig entwickelt. „Works Of Progress“ ist der vorläufige Höhepunkt und zugleich die Rückschau auf einen Selbstfindungsprozess:

„Die Band ist im Herbst 2012 gegründet worden,“ erinnert sich Jay Martinez. „Damals war viel von dem, was ich tat, ziellos oder hat sich zufällig ergeben. Ich war naiv, unreif und versuchte verzweifelt, meine Identität in der großen Welt und dem Leben nach der High School zu finden. Ein Interesse für Musik ist immer da gewesen, obwohl ich nie damit gerechnet habe, jemals in einer Band zu spielen, geschweige denn ein Frontmann zu werden. Ich war damals enorm schüchtern. Zu Beginn der Zeit am College verfiel ich in eine tiefe Depression. In dieser Phase habe ich die Musik für mich entdeckt und in ihr eine Möglichkeit gefunden, meine Gefühle und Eindrücke zu verarbeiten. In meiner kleinen Wohnung habe ich viele Alben gehört und mich von ihnen trösten lassen. Aus therapeutischen Gründen habe ich dann begonnen, Songs nur für mich selbst zu schreiben. Irgendwann habe ich dann den Mut aufgebracht, meine Ideen mit jemandem zu teilen. Über eine Annonce fand ich Cody, unseren Schlagzeuger. Nachdem der erste Schritt getan war, hat anschließend alles ineinander gegriffen. Wir haben Jason überzeugt, Gitarre zu spielen. Er ist das erste und einzige Mitglied mit Band-Erfahrung vor der Beteiligung an ACROSS THE ATLANTIC.“

Schritt für Schritt ging es bei den Texanern dann weiter: „Unsere Ambitionen waren zunächst bescheiden,“ verrät der Frontmann. „Alles, was wir wollten, war es, lokal aufzutreten und etwas Merchendise zu verkaufen. Es hat uns schon gereicht, einige Lieder online zu posten. Erst mit der Zeit, vielleicht so nach einem Jahr, hat sich der Fokus verändert. Wir wollten


herausfinden, ob wir eine richtige Band-Karriere auf die Beine stellen können. Nach mehreren Line-Up-Änderungen haben wir im Wege des Ausprobierens unseren Sound und Aktionsradius sukzessive erweitert und den Status einer lokalen Band irgendwann hinter uns gelassen. Natürlich gab es gerade zu Beginn die obligatorischen Rückschläge, doch unser Engagement hat diese Bewährungsprobe bestanden. Dies ist dem geteilten Verständnis hinsichtlich aller Belange rund um die Band zu verdanken. Wir haben uns früh darauf verständig, was wir zu investieren bereit sind und wie wir als Gruppe agieren wollen. Eins ist dabei ganz klar: die Musik kommt an erster Stelle. Parties, Freunde, Jobs, Schule und Familie stehen zugunsten der Band zurück. Wir haben alles darauf ausgerichtet, es zu schaffen. Diese klare Absprache hilft uns dabei, wichtige Entscheidungen zu treffen und in unseren Taten nicht nach zu lassen. Dieser Philosophie folgend haben wir immer all das getan, was geholfen hat, für uns eine bessere Ausgangslage zu schaffen und uns voran zu bringen. Es gab keinen Raum für halbherzige Versuche. Weniger als 100 Prozent sind bei uns nicht drin. Wir konzentrierten uns auf die Dinge, die wir kontrollieren können und haben uns auch mit den Aspekten intensiv beschäftigt, die gerne übersehen oder ignoriert werden. Als Ergebnis haben wir schnell gelernt, dass die Schlüssel zum Erfolg Disziplin und Effizienz sind. Bleib auf dem Kurs, lege beständig nach und arbeite smart. An dieser Weisheit richten wir unser Handeln aus. Vielleicht sind wir nicht die talentierteste oder am besten klingende Band, doch wir sind die, die am Härtesten arbeitet. Unseren Weg hinterfragen wir nicht, sondern tun, was nötig ist.“

Das Album „Works Of Progress“ darf als Bestätigung der Aussagen gelten. Für Jay Martinez sind die Songs vor allem Ausdruck der aufgewühlten Gefühlswelt der Beteiligten: „Eines der Dinge, die uns erst menschlich macht, ist unsere Fähigkeit, zu fühlen, zu erkennen und auf Situationen zu reagieren, was auch immer uns widerfährt. Wir sind nicht darauf limitiert, im Verlauf unseres Lebens nur eine Emotion zu fühlen. Stattdessen erleben wir eine Vielzahl von Gefühlen; Angst, Wut, Traurigkeit, Freude, etc. Unsere Leben verändern sich ständig und damit auch unsere Emotionen. Als Songwriter fühle ich mich persönlich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass jedes Lied und jeder Auftritt diese Emotionen in ihrer rauen und echten Form repräsentiert. Wenn das manchmal erfordert, dass ich schreie oder singe, dann ist es so. Der Zweck unserer Musik ist es, Erfahrungen zu teilen. Für mich sind die transportierte Leidenschaft und der Reiz des Rebellischen dafür verantwortlich, dass diese Art von Musik so attraktiv für die Jugend ist. Gerade wenn man unglaublich viel Energie im Herzen hat, ist man dankbar für Musik, die das in Songs übersetzt. Die vertonte Emotionalität schafft die Verbindung, weshalb man ehrlich aufspielen muss. Liebe kann nicht künstlich hergestellt oder vorgegaukelt werden.“

Diesbezüglich braucht man sich bei ACROSS THE ATLANTIC nicht zu sorgen. Die Texaner umarmen die ganze Welt und das nimmt man ihnen ab: „„Works Of Progress“ in eine Ode an das Leben, der Ausdruck von Selbstreflexion und eine Sammlung von Hymnen für die Unruhigen. Bei der Geburt gleicht man einer leeren Leinwand, die das Leben später füllt. Manchmal sind wir zufrieden mit den Kreationen und manchmal denken wir, dass es noch einer Mange Arbeit bedarf, bis etwas Schönes entsteht. Klar ist allein, dass es nur selten zu einer Vollendung kommt. Das ist das Konzept des Lebens. Jeder Tag ist anders als der davor. Egal, wie gut oder schlimm es kommt. Es ist wichtig, jeden Tag danach zu streben, sich selbst besser zu machen und aus seinen Fehlern zu lernen.“ In ihrer Band-Konstellation leben die Musiker genau das vor: „Wir sind eine Gruppe von fünf Typen, die unterschiedlich aufgewachsen sind, anders denken und individuelle Vorlieben haben. Was wir teilen, ist die Liebe zur Musik und kreativen Integrität, die die Grundlage unserer Band-Aktivitäten ist. Gemeinsam aktiv zu sein und Zeit miteinander zu verbringen, bedeutet, dass wir ständig voneinander lernen und uns gemeinsam weiter entwickeln. Dieser Prozess des Gebens und Nehmens setzt eine Art Ebbe und Flut in Bewegung, die sich in unseren Liedern materialisiert.“

 
 Links:
  acrosstheatlanticband.com
 
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