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In Hearts Wake

Storie von: arne, am 16.06.2017 ]

Gänsehaut ist garantiert, wenn die Australier ihren gefühlsbetonten Ansatz zwischen Post-Hardcore und MetalCore entwickeln. Mit „Ark“ erscheint das vierte Konzept-Album von IN HEARTS WAKE, die ihre Hörer zum Nachdenken anregen wollen. Substanz und Hintergedanken zeichnen sowohl die Musik als auch die Texte aus. Das Quintett agiert ganzheitlich, spannungsgeladen und kontraststark.

 
„Ein Album zu schreiben, ist niemals leicht, ob es sich nun um das erste oder das vierte handelt, wie in unserem Fall,“ erwidert Gitarrist Ben Nairne auf die Frage, ob IN HEARTS WAKE im Songwriting heute von der Arbeit an früheren Platte profitieren. „Alle Erfahrung hilft nichts, wenn man keine guten Einfälle hat oder sich der Songwriting-Prozess zäh gestaltet. Manchmal greift alles wie von selbst ineinander. An anderen Tagen steht man abends vor dem Nichts und hat kein einziges Stück geschaffen. So haben wir es auch dieses Mal wieder erlebt, doch das hat uns nicht überrascht. Allerdings hatten wir weniger Zeit als sonst, um das Album fertig zu stellen. Die kurzen Tour-Pausen mussten wir nutzen, um fokussiert an neuen Songs zu arbeiten. Das hat die Drucksituation verschärft.“ Das nun vorliegende „Ark“ lässt auf derartige Strapazen nicht schließen, entwickelt es sich doch organisch und variabel:

„Im Arbeitsprozess gab es zunächst keine Vorgaben oder Einschränkungen,“ erzählt der Gitarrist. „Wir haben geschaut, wohin uns unsere Kreativität führt. Viele Abende habe ich in meinem Wohnzimmer gesessen und so lange auf meiner Gitarre gespielt, bis sich die Jam-Parts zu etwas entwickelt haben, mit dem ich weiter arbeiten wollte. Auf der Suche nach einem natürlichen Groove, ohne den ein Song für mich kein Song ist, kann man schier verzweifeln. Bis ich ihn nicht gefunden habe, ist ein Stück nicht fertig. Dieser Anspruch lässt sich auf dem Album gut nachvollziehen, finde ich. Auch live profitieren wir von dieser Anlage ungemein. Ich kann es gar nicht abwarten, die neuen Stücke auf der Bühne zu spielen und zu sehen, wie sie dort wirken.“ Nicht nur aufgrund der Groove-Thematik fallen die Australier durch ihren reifen Zugang zum Feld zwischen Post-Hardcore und MetalCore auf:

„Es ist für mich verständlich, dass unsere Musik als wertig und anders wahrgenommen wird,“ nimmt Ben das Kompliment an. „Das liegt in meinen Augen daran, dass wir einen besonderen Songwriting-Ansatz verfolgen. Frei von stilistischen Grenzen oder Vorgaben setzen wir das um, was in uns ist und sich den Weg hinaus in die Welt bahnt. Bis wir selbst zufrieden sind, braucht es seine Zeit, wodurch die Stücke von IN HEARTS WAKE eine besondere Qualität erlangen.“ Diese Äußerung ist nicht als Überheblichkeit auszulegen, sondern korrespondiert mit dem übergeordnet generellen, emotional fesselnden Spiel des Quintetts:

„IN HEARTS WAKE spielen meinem Verständnis nach eine harmonisch ausbalancierte Mischung aus heftigen und soften Momenten,“ umschreibt es der Musiker. „Wir sind eingängig genug angelegt, um Hörer anzusprechen, die härter orientierte


Bands gemeinhin nicht hören, jedoch belastbar genug, um nicht als gewöhnlich oder simpel wahrgenommen zu werden. Musik und Texte bilden bei uns eine Einheit, die den Leuten dabei hilft, auf unsere Absichten zu schließen und das zu verstehen, was uns als Band auszeichnet.“ Nach der Veröffentlichung des letzten Albums „Skydancer“ sind die Australier viel getourt und haben daraus Lehren für den Nachfolger gezogen: „Wir haben uns viele Gedanken über die Live-Tauglichkeit unserer Stücke gemacht und viel darüber gelernt, was sich gut umsetzen lässt und was nicht. Auch deshalb jamme ich so häufig bei mir zu Hause. Dadurch komme ich näher an das Live-Feeling heran und kann überprüfen, ob alles so klappt, wie ich mir das vorstelle. Als Songwriter haben wir uns mit „Ark“ weiter verbessert und merklich gesteigert. Damit erscheint unweigerlich ein reifes, ausgewogenes Werk. Nachdem wir den Songwriting- und Aufnahme-Prozess in den vergangenen Jahren bereits mehrfach durchlaufen sind, hat sich ein besseres Verständnis dafür heraus gebildet, worauf es ankommt und wie wir unsere Absichten tatsächlich wahrnehmbar zur Geltung bringen können. Wir profitieren inzwischen von unseren Fehlern, weil wir nun wissen, was funktioniert und was nicht.“

Ben Nairne verweist hinsichtlich der qualitativen Steigerung auf die gebotene Mischung aus Variabilität und Vehemenz: „Auf den früheren Alben finden sich vielleicht brachialere Breakdowns, doch die heftigsten Riffs, die wir je geschrieben haben, hört man auf „Ark“. Als Gegensatz dazu bieten die elektronischen Chill-Parts, die sich über das gesamte Werk strecken, die softesten Klänge, die von IN HEARTS WAKE bisher bekannt sind. Wir haben unsere musikalischen Grenzen in jeder Hinsicht geweitet.“ Selbst die privaten Studien des Gitarristen in anderen Bereichen finden Eingang in die Songs: „Für mich selbst schreibe ich auch seichte Pop-Songs und experimentiere viel mit elektronischer Generalität. Für „Ark“ haben wir einige meiner Klangstudien genutzt, obwohl ich sie dafür nicht vorgesehen hatte. Mit dem Ergebnis bin ich dennoch hoch zufrieden. Gerade ein Song wie ,Arrow‘ zeigt, dass wir mehr können, als nur einem Genre gerecht zu werden.“

Konzeptionell drehen die Australier ebenfalls ein großes Rad: „Wir legen die Erde als Arche aus, die durch den Weltraum schwebt und unser Überleben sichert. Wir alle müssen zusammen arbeiten, sie zu schützen, damit unser Schiff in einem guten Zustand bleibt und seinen Weg fortsetzen kann. Denn die Erde ist alles, was wir haben. Ohne sie würden wir nicht existieren. Das ist das große Thema, das sich durch die Platte zieht.“

 
 Links:
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