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Nervecell

Storie von: arne, am 05.03.2015 ]

Das musikalische Umfeld, aus dem NERVECELL stammen, ist durch Mainstream-Pop und Folklore bestimmt. Eine Metal-Szene existiert im Mittleren Osten praktisch nicht. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Band mit einem international konkurrenzfähigen Mix aus Death und Thrash Metal antritt, der auf bissiger Vehemenz basiert und eine markante Akzentuierung aufweist.

 
Anlässlich des Signings auf Unique Leader Records wird zunächst das Zweitwerk des Trios, das 2011 in Europa via Lifeforce Records erschienen ist, international neu aufgelegt. Der Fokus liegt dabei klar auf dem nordamerikanischen Markt: „Es ist eine Entscheidung des Labels gewesen, „Psychogenocide“ wieder zu veröffentlichen,“ erzählt Gitarrist Barney. „Mit Ausnahme der USA und Kanada sind wir mit dem Album in den letzten drei Jahren überall getourt. Das US-Publikum hat bislang kaum Notiz von uns genommen, was sich ändern soll. Das Material ist nach wie vor stark, also haben wir nichts dagegen.“ Rami, der zweite Gitarrist, ergänzt:

„Nach dem Erscheinen der Platte war es uns wichtig, viel live zu spielen. In Europa haben wir sowohl Festivals als auch Club-Shows gespielt. Neben Auftritten beim Summer Breeze, Brutal Assault in Tschechischen und dem Rock am Betwork sind wir 2011 an der Seite von Morbid Angel getourt, was toll war, da sie für uns ein wichtiger Einfluss sind. Zudem haben wir zwei Touren in Asien gespielt – eine als Headliner, eine als Support von Decapitated. Wir haben Sri Lanka, Indien, die Philippinen, Nepal und Thailand gesehen, aber natürlich auch viele Shows im Mittleren Osten absolviert, die wir selbst gebucht haben. Das war eine besondere Herausforderung, da Metal-Bands in dieser Region praktisch nie touren und keine Club-Infrastruktur besteht. Dennoch sind wir in Bahrain, Katar und Dubai aufgetreten. Ende 2011 haben wir in Dubai sogar für Metallica eröffnet! Im vergangenen Sommer sind wir ein weiteres Mal durch Europa getourt. Es greift also nicht zu weit, zu sagen, dass wir in Support von „Psychogenocide“ wirklich fast die ganze Welt gesehen haben.“

Dass die zweite Scheibe von NERVECELL inzwischen vier Jahre alt ist, stört Rami dabei nicht: „Die Variabilität des Albums sagt mir immer noch zu. Jeder einzelne Song klingt anders und ist für sich genommen stark. Dennoch sind sie alle durch eine ähnliche Atmosphäre miteinander verbunden. Es war damals unser Ziel, jedem Stück eine eigene Identität mitzugeben. Das ist uns geglückt, obwohl wir selbst nicht so schnell zufrieden zu stellen sind. Auch produktionsseitig gefällt mir „Psychogenocide“ nach wie vor. Der Sound ist groß, vor allem der des Schlagzeugs. Aus heutiger Perspektive würde ich nichts ändern wollen, auch wenn wir zwischenzeitlich neue Ideen und Techniken kennen gelernt haben, die wir auf dem nächsten Album umsetzen werden.“

Derzeit steckt die Death’n’Thrash-Kombo mitten in der Arbeit an neuem Material: „Nach all den Tour-Aktivitäten sind wir erst im letzten Jahr so weit gewesen, dass


wir mit dem Songwriting beginnen wollten“, äußert Rami. „Wir haben es langsam angehen lassen, da wir zunächst ein Label gesucht haben. Es war uns wichtig, eine weltweite Veröffentlichung realisieren zu können. Zeitgleich mit dem Signing auf Unique Leader ist die Arbeit an der neuen Platte gestartet. Tendenziell geht es in Richtung schneller, schwergewichtiger und brutaler Songs. Das Gesamtbild ist noch nicht hundertprozentig klar, doch es scheint wieder ein dynamisches, thrashiges Album zu werden. Allzu große Überraschungen wird es nicht geben. Wir halten uns an die geradlinige Brutalität, für die NERVECELL bekannt sind.“

Rezeptionsseitig werden die einbezogenen Folklore-Momente stark betont und scheinen die Wahrnehmung der Gruppe zu bestimmen. Barney sieht das entspannt: „Wir sind eine Band aus dem Mittleren Osten, fühlen uns dadurch aber nicht limitiert. Was die Anlage unseres Sounds anbelangt, binden wir die Folklore-Akzente nicht ein, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen oder aufzufallen. Wir streben eher danach, eigenständig aufzuspielen und unsere Spuren im Metal zu hinterlassen. Die orientalischen Elemente sind Ausdruck unserer Herkunft aus dem Mittleren Osten, in dem wir aufgewachsen sind. Wir nehmen sie nicht einmal als besonders wahr. Letztlich sind wir eine Death Metal-Band, die brutal aufspielt. Seit 15 Jahren kämpfen wir um unsere Karriere, was für uns mit Entbehrungen und Kompromissen verbunden ist.“ Auf Nachfrage ergänzt der Gitarrist dazu:

„Wir sind mit der Absicht gestartet, möglichst schnell Songs zu schreiben und live zu spielen. Der Hunger zu touren hat bis heute nicht nachgelassen. Wir stammen aus einer Region, in der Metal weder eine Plattform besitzt noch wirklich verstanden wird. Eine Szene oder Infrastruktur gab und gibt es nicht. Also haben wir alles selbst auf die Beine gestellt. Sonst wäre unser Traum niemals Wirklichkeit geworden. Wir lieben den Metal und supporten ihn mit ganzer Leidenschaft. Wäre dem nicht so, gäbe es NERVECELL schon gar nicht mehr.“

Dem kann Rami nur zustimmen: „Wir sind dankbar dafür, die Band am Leben halten und viele tolle Leute treffen zu können. Die Gruppen, mit denen wir aufgewachsen sind und die uns beeinflusst haben – Suffocation, Deicide, Morbid Angel, etc. – kennen wir inzwischen von unseren Touren. Als Speerspitze der Metal-Szene des Mittleren Ostens wahrgenommen zu werden, ehrt uns. Unabhängig von unserer Herkunft fühlen wir uns sowohl der amerikanischen als auch der europäischen Death und Thrash Metal-Sparte eng verbunden. Der Sound der 1990er Jahre ist fest in unserer DNA verankert.“

 
 Links:
  nervecell.net
 
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