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Haraball

Storie von: arne, am 12.06.2013 ]

Die Norweger von HARABALL stellen sich mit einem reduzierten, rotzigen Debüt vor. 23 Songs in 40 Minuten. So lauten die Fakten zu „Sleep Tall“. Die Band aus Oslo geht keine Kompromisse ein, wenn sie in bester Old School-Tradition aufspielt und ihre Tracks mit politisch motivierten Texten versieht.

 
„Wir sind eine Hardcore-Punk-Band“, äußert Sänger Jon. „Dieses Genre muss nicht mehr weiter entwickelt werden. Es reicht schon, wenn man mit Leidenschaft aufspielt und seine Erfahrung einbringt. Unsere Gruppe nehmen wir durchaus ernst, aber nostalgisch oder bierernst sind wir nicht unterwegs. Wir wollen mit unseren Songs Spaß haben. Es gibt ausreichend Bands, die das Hardcore- oder Punk-Label tragen, eigentlich aber Mainstream-Pop oder NuMetal spielen. Wir halten es ehrlich. Überrascht bin ich von der Tatsache, dass uns auch viele Metal-Heads mögen. Das führe ich darauf zurück, dass es in ihrem Genre auch viel Unechtes und Aufgesetztes gibt.“

Die fünf Musiker sind schon lange Teil des norwegischen Undergrounds, zählen sich aber längst noch nicht zum alten Eisen: „In der Szene tummelten sich früher überwiegend Teenager. Als wir mit unseren ersten Gruppen starteten, waren wir ebenfalls noch Kids. Wenn ich mir die Osoler Szene heute anschaue, sehe ich viele ältere Leute wie uns. Die Initialzündung für mich, selbst Musiker zu werden, war ein Festival 1994, bei dem Kort Prosess aufgetreten sind. Ihre Show hat mich tief beeindruckt. Für damalige Verhältnisse waren sie steinalt, doch wir sind heute noch weitaus älter als sie und spielen immer noch Hardcore-Punk. Dafür schauen heute uns die Teenager fasziniert zu, wie tight und abgezockt wir aufspielen. Letztlich ist man so alt, wie man sich fühlt, und die Musik entscheidet darüber, ob man gehört wird.“

Ausgehend von den früheren Betätigungsfeldern der Beteiligten hat sich der Sound von HARABALL entwickelt: „Unser Gitarrist William hat die Band mit Ideen gestartet, die noch aus seiner Zeit mit Tiebreak stammten“, so Jon. „Damit haben wir unsere ersten Proben bestritten, aber schnell gemerkt, dass wir einen kompletten Neustart brauchten. Wir haben uns dabei am Stil der 7 Inch von Fairfuck, an der einige von uns beteiligt waren, orientiert, denn diese Single war großartig – kurze,


direkte Songs mit sarkastischen Texten. Wenn man sich die Tracks von Tiebreak anhört, findet man aber auch Gemeinsamkeiten. Der Sound von HARABALL ist in etwa in der Mitte zwischen beiden angesiedelt.“

Besondere Ansprüche verfolgen die Norweger nicht, wie der Frontmann erzählt: „Uns ist einzig und allein wichtig, nicht nach Mainstream zu klingen. Diesbezüglich haben wir aber keine Probleme. Wir lassen uns von unser Aggression und Wut leiten, also sind wir auf der sicheren Seite. Die Angebote, die wir bekommen, zeigen uns, dass wir als Underground-Band wahrgenommen werden. So wurden wir angefragt, für Negative Approach zu eröffnen oder in einer abbruchsreifen Fabrik in Bergen zu spielen, die inzwischen fast schon ein Junkie-Haus ist. Wenn es passt, tun wir so etwas.“ Dass auf dem Cover von „Sleep Tall“ ein Polizist aus der deutschen Hauptstadt zu sehen ist, wusste Jon nicht, bis er darauf angesprochen wurde: „Ist das eine Berliner Polizei-Uniform? Dahinter ist keine große Story. Unser Gitarrist Trond hat das Bild eines Polizisten gefunden, der eine Linie weißen Pulvers von einem Tisch zieht. Seine Freundin Esra, die alle unsere Cover entwirft, hat daraus eine verfremdete gezeichnete Version angefertigt. Das Bild in seiner jetzigen Form ist absurd und passt zum Titel der Platte. Autoritäten können ängstigen und ungerecht sein. Einen Polizisten dahin schmelzen und harmlos zu sehen, hat deshalb etwas beruhigendes.“

Motivation für seine Texte findet der Sänger ausgehend von diesen Äußerungen schnell: „Die Welt geht zum Teufel und unsere Gehirne werden mit Nonsens aufgeweicht. Allein schon darüber kann ich mich aufregen. Es gibt viele Bands, die mit ihren Texten weder Positionen beziehen noch kritische Gedanken äußern. Wir gehen einen anderen Weg. Ich sehe uns in der Tradition von den Germs, Deep Wound oder Rudimentary Peni, die weniger auf typische Hardcore-Themen gesetzt haben und zum Nachdenken anregen wollten.“

 
 Links:
  haraball.com
 
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