Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1758

Nero Di Marte

Interview von: arne mit Francesco und Sean, am: 15.05.2013 ]

BEDROHLICH, GEWALTIG UND DÜSTER. Übersetzt bedeutet NERO DI MARTE schwarzer Mars. Der Vierer aus Bologna vermittelt schon mit seinem Band-Namen eine Vorstellung davon, was er musikalisch treibt. Die einst als MURDER THERAPY gegründete Gruppe stellt sich auf ihrem selbstbetitelten Debüt mit einem brachialen, vielschichtigen Heavy-Mix vor. Entlang anspruchsvoller Tech-Death-Passagen und progressiver Experimentierfreude setzen die Italiener auf den Wechsel schonungsloser Brutalität und sphärischer Post-Sounds .

 

Musicscan: Mit welcher Motivation habt Ihr einst als MURDER THERAPY begonnen, und haben sich Eure Intention und Einstellung gegenüber der Band im Zuge der Umbenennung in NERO DI MARTE irgendwie verändert?

Nero Di Marte: Gitarrist und Sänger Sean: Meiner Ansicht nach hat sich nichts verändert. Wenn wir denn überhaupt so etwas wie eine Philosophie verfolgen, dann die, uns in unseren Songs voll und ganz auszuleben und uns dabei möglichst treu zu bleiben. Wir spielen genau die Musik, die wir selbst gerne hören möchten.

Nero Di Marte: Gitarrist Francesco: Die Namensänderung fällt weniger gravierend ins Gewicht, als man meinen könnte. Letztlich hat sich gar nicht viel verändert. Im Verlauf der Zeit sind wir allerdings erwachsener geworden, als Musiker wie als Menschen. Dieser Entwicklungsprozess hat dazu geführt, dass wie inzwischen wissen, was wir als Band wollen und von unserem Sound erwarten. Früher waren wir uns dessen nicht bewusst.

Musicscan: Eure Band wird häufig als technischer Death Metal beschrieben – trifft es das oder greift es zu kurz?

Nero Di Marte: Francesco: Bei dieser Definition denke ich direkt an Lehr-Videos auf youtube und teure Gitarren. Damit kann ich mich nicht identifizieren. Unser Spiel fühlt sich natürlich an. Wie könnte ich es da als technisch bezeichnen? Andererseits fällt mir auch keine gescheite Umschreibung dessen, was wir spielen, ein. Es interessiert mich auch nicht. Musik ist… einfach Musik, eine eigene Sprache und Ausdrucksform. Mit Worten lässt sich das nur schwerlich beschreiben. Jeder kann im Internet einige Songs von uns hören und sich eine eigene Meinung bilden. Weshalb soll ich das im Voraus einschränken?

Musicscan: Wo seht Ihr NERO DI MARTE innerhalb der Metal-Szene positioniert sowie im Spannungsfeld von Traditionsbewusstsein und dem Bestreben, eigene Spuren im Metal zu hinterlassen?

Nero Di Marte: Francesco: Jeder von uns wird diese Frage anders beantworten. Wirklich ins Detail gehen, möchte ich nicht. Jedoch sehe ich uns durchaus auf einem Evolutionsstrang des Metal. Woher wir kommen und wer uns beeinflusst hat, ist erkennbar. Es ist aber noch zu früh, davon zu sprechen, dass wir uns einen Platz im Metal erobert hätten. Diese Dinge brauchen Zeit. Wir stehen noch am Beginn unseres Weges.

Musicscan: Gerade im extremen Metal-Underground gibt es kleine, abgegrenzte Sub-Szenen und Stile und ein beständiges Kommen und Gehen. Gibt es Bands, mit denen Ihr Euch verbunden fühlt, was die Ausrichtung und Anlage Eures Sounds anbelangt?

Nero Di Marte: Sean: Da möchte ich KING CRIMSON, INTRONAUT, ULCERATE, ISIS, SHINING, DEATHSPELL OMEGA und SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM anführen. Diese Gruppen treiben ihren Stil entweder ans Limit oder zeichnen sich durch enorme Kreativität aus. Inwieweit wirklich eine Verbindung zu dem besteht, was wir treiben, kann ich nicht sagen, doch von der zugrunde liegenden Mentalität ist da etwas, obwohl die Genannten ganz unterschiedliche Stile verfolgen.

Musicscan: Haben NERO DI MARTE schon so etwas wie einen eigenen Sound gefunden, oder muss sich dieser noch herausbilden? Erfolgt die Entwicklung bei Euch bewusst und zielgerichtet oder per natürlicher Evolution?

Nero Di Marte: Sean: Unser Sound befindet sich noch im Fluss und wird es hoffentlich immer bleiben. Von einem eigenen Stil möchte ich noch nicht sprechen, doch es gibt Aspekte, die ich als eigenständig wahrnehme und künftig ausbauen möchte. Die Band soll dennoch nie auf einen bestimmten Sound festgelegt sein. Bisweilen versteckt sich dahinter, dass Musiker sich immer und immer wieder wiederholen. Eine solche Gruppe wollen wir nicht sein, obwohl wir natürlich nach musikalischer Identität streben. KING CRIMSON sind in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel: Sie sind seit mehr als 40 Jahren aktiv und haben spätestens jede neue Dekade etwas komplett anderes gespielt, ohne dafür ihre wiedererkennbaren Trademarks zu opfern.

Musicscan: Für Eure Band spielt das Experimentieren offenkundig eine große Rolle. Gibt es Songs, auf die Ihr besonders stolz seid? Wie wird sich das wohl künftig weiterentwickeln?

Nero Di Marte: Sean: ,NERO DI MARTE‘ ist unser raumgreifendster und unkonventionellster Track. Es hat eine ganze Weile gedauert, die Ideen zu verstehen und in einer Song-Struktur zu kanalisieren. Doch genau deshalb, aufgrund der intensiven Erfahrung, ist dieser Titel auch der Titel unseres ersten Albums und zugleich der Name unserer Band. Wir werden auch weiterhin mit unterschiedlichen Sounds experimentieren und uns außerhalb gewöhnlicher Song-Strukturen bewegen, wenn wir gewaltige und düstere Melodien und Dissonanzen in unsere Kompositionen einbringen. Darüber hinaus versuche ich auch gesanglich immer wieder Neues auszuprobieren – sowohl hinsichtlich der Art und Weise, wie ich singe als auch wie der Gesang in die Songs eingebunden wird.

Musicscan: Wo zieht Ihr die Grenze zwischen einer nachvollziehbaren Weiterentwicklung Eures Sounds und einem kompletten Neustart, der mit Eurer Vergangenheit nicht mehr vereinbar ist?

Nero Di Marte: Francesco: Ich denke nicht, dass sich Musik mit revolutionären Sprüngen oder drastischen Veränderungen entwickelt. Bisweilen scheint es so, doch das relativiert sich meistens schnell. Wenn wir komponieren, entspinnt sich ein Dialog aus Spannung und Ruhe, dem, was wir bereits getan haben und neu versuchen. Vielleicht werden wir ja als neuartig oder anders wahrgenommen, doch die Bestandteile unserer Musik sind bekannt.

Musicscan: Wie stellt Ihr eine konstant hohe Qualität Eurer Songs im Arbeitsprozess sicher? Könnt Ihr eine Position mit dem nötigen Abstand zur kreativen Arbeit einnehmen, um Euch ein möglichst objektives Urteil zu bilden?

Nero Di Marte: Francesco: Wir nehmen alle unsere Proben auf und hören sie uns später Zuhause an. Jeder von uns hat seine eigene Vorstellung davon, wann unser Sound schwach und vergänglich und wann stark und belastbar klingt. Jede Song-Idee ist frei für Modifikationen, wobei wir uns nicht scheuen, uns weit von den ursprünglichen Ideen zu entfernen. Wir wollen jeden Song so weit treiben, bis er das bestmögliche Ergebnis dessen, was wir uns vorstellen und spielen können, darstellt. Der letzte Gradmesser ist die Hürde, welche Lieder es auf ein Album schaffen. Alle übrigen lassen wir fallen. Der Weg dahin verläuft manchmal schnell und intuitiv. Manchmal ist er aber auch beschwerlich und hart.

Musicscan: Gibt es einen übergeordneten Handlungsstrang, den man kennen sollte, um ein besseres Verständnis für Euer Album zu erlangen?

Nero Di Marte: Francesco: Ich bin schon versucht, Tipps und Hinweise zu geben, doch diesem Drang widerstehe ich. Die Musik von NERO DI MARTE spricht für sich und soll genug sein, auch wenn sie im ersten Moment vielleicht zynisch anmutet. Mein einziger Ratschlag: hört das Album mit guten Lautsprechern vom CD-Format. Dann klingen die Songs besser als in der Version der komprimierten MP3. Wenn sich beim Hören der Himmel schwarz färbt und ein Sturm aufzieht, würde das passen.

 
 Links:
  facebook.com/nerodimarte
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Bastard Grave
  Gatecreeper
  Insomnium
  Mass Worship
  Yonder

Interviews/Stories:

  Issues
  Aviana
  Guilt Trip

Shows:

  13.11. Lionheart - Karlsruhe
  13.11. Jamie Lenman - Karlsruhe
  13.11. Opeth - Cologne
  13.11. Deez Nuts - Karlsruhe
  13.11. Fallbrawl - Karlsruhe